Lutz-Stephan Mannkopf war 25 Jahre lang der Chef

Lutz-Stephan Mannkopf im Foyer. Zum Jahresende geht der FEZ-Geschäftsführer in den Ruhestand. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Zehn Jahre war der Bau ein Pionierpalast, 25 Jahre ist er inzwischen ein kommunales Kinder- und Jugendfreizeitzentrum. Dafür, dass das einstige DDR-Vorzeigeprojekt noch immer existiert, hat Lutz-Stephan Mannkopf (64) gesorgt. Jetzt geht er mit gutem Gewissen in den Ruhestand.

Mannkopf ist Berliner, war bei Siemens Starkstromelektriker und hat später Sozialpädagogik studiert. Dann war er Leiter eines Jugendzentrums in Spandau und ab 1981 Mitarbeiter der Senatsjugendverwaltung. Dort war er auch nach der Wende, als dem Pionierpalast die Abwicklung drohte. "Es gab einen Senatsbeschluss, den Pionierpalast abzuwickeln und ein Konzept für eine Fortführung der Einrichtung unter den neuen Bedingungen zu entwickeln. Der damalige Jugendsenator Thomas Krüger hat mich mit der Umsetzung beauftragt", erzählt Lutz-Stephan Mannkopf.

Am 22. Dezember 1990 führte Mannkopf sein erster und vermutlich auch schwerster Gang in die Wuhlheide. In der Tasche die Kündigungen für alle 360 Mitarbeiter. "Und das Angebot, dass 180 von ihnen in der neuen Einrichtung eine Stelle bekommen könnten. Im Januar 1991 haben wir die Bewerbungen gesichtet", erinnert sich Mannkopf. Für die nächsten drei Jahre durfte er seine Arbeitswoche teilen, drei Tage im Senat und zwei Tage im neu gegründeten Freizeit- und Erholungszentrum in der Wuhlheide. Erst im November 1994 war damit Schluss, dann wurde eine GmbH als Betreibergesellschaft gegründet und Mannkopf als Geschäftsführer berufen.

An einige Veränderungen der Wendezeit erinnert er sich inzwischen mit Schmunzeln. So musste er den am Kollektiv orientierten Ansatz der DDR-Pädagogik behutsam zu einem Konzept ändern, dass auf Eigenverantwortung setzt. "Den alten Cheftisch, an dem die Mitarbeiter einmal pro Woche zum Rapport antreten mussten, habe ich sofort in den Keller schaffen lassen", erzählt Mannkopf.

Heute wird das FEZ durch eine gemeinnützige GmbH betrieben, Aufsichts- und Finanzierungsbehörde ist die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Berlins einziges stadtweit tätiges Jugend- und Familienfreizeitzentrum konnte erhalten werden, hat aber mehrere Finanz- und Personalkürzungen zu verkraften gehabt. 83 Mitarbeiter sind übrig geblieben, der Jahresetat beträgt 5,4 Millionen Euro. Rund 850 000 Besucher kommen pro Jahr und freuen sich über Theater, Ausstellungen im Kindermuseum oder das jährliche Sommerferienabenteuer FEZitty. Eine der größten Erfolge des Geschäftsführers, der die Zukunft des FEZ auch für die nächsten 25 Jahre wahrscheinlich werden lässt, ist die rund elf Millionen Euro teure Sanierung, die inzwischen fast abgeschlossen ist. Einige Baustellen gibt es aber noch. "Zum Beispiel den zwei Millionen Euro teuren Umbau des Badesees, der deshalb 2015 geschlossen bleibt. Eine Regenwasserrückgewinnung und eine biologische Kläranlage entstehen dort", erzählt Mannkopf.

Zum offiziellen Abschied am 5. Dezember hat sich auch der einstige Jugendsenator Thomas Krüger angesagt, heute Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. "Die Rettung des heutigen FEZ war keine einfache Angelegenheit. Wir brauchten damals einen Überzeugungstäter. Lutz-Stephan Mannkopf war der Richtige, das FEZ hat ihm viel zu verdanken. Er hatte alle Merkmale eines leidenschaftlichen, experimentierfreudigen und sozial kompetenten Menschen und wusste, wie man mit der öffentlichen Verwaltung umgeht", sagt Krüger.

Am 28. Dezember wird Mannkopf 65, am 30. Dezember gibt er seine FEZ-Schlüssel ab. Wirklich in Rente will er noch nicht, seine Frau muss noch arbeiten. Deshalb sucht er mit verkürzter Stundenzahl noch einmal einen beruflichen Neuanfang. "Auf jeden Fall habe ich aber mehr Zeit für mein Hobby und fahre zum Hechtangeln nach Skandinavien", erzählt Lutz-Stephan Mannkopf.


Ralf Drescher / RD
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