Kunst statt Maloche in der alten Trafofabrik

Hinter den historischen Backsteinfassaden hat die Kunst eine neue Heimat gefunden. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Reinbeckhallen |

Oberschöneweide. Viele Jahre lang war in der Reinbeckstraße 9 nur ein Nebeneingang des Transformatorenwerks Oberschöneweide (TRO). Jetzt hat hier die Kunst eine Heimat gefunden.

Eigentümer Sven Herrmann hat die alten Fabrikhallen ordentlich aufpolieren lassen. Bereits Anfang des Jahrtausends hatte er die bis 1996 für die Produktion von Transformatoren genutzte Hallen gekauft und wollte dort sein Projekt „Schauhallen“ etablieren. Dann lag die Idee einige Jahre auf Eis. Der Umzug von Teilen der Hochschule für Technik und Wirtschaft an den Standort hat später für neuen Schwung gesorgt.

Nun stehen in vier Hallen, zum Teil unter historischen Shetdächern, rund 5000 Quadratmeter Fläche für Kunstausstellungen, Veranstaltungen und Ateliers zur Verfügung. In den von außen zugänglichen Hallenbereichen wurden 13 Künstlerstudios abgeteilt. Geplant sind außerdem einige Geschäfte und Gastronomie.

Die 2400 Quadratmeter große Ausstellungshalle zeigt noch Spuren von Jahrzehnten Industrieproduktion. Selbst der alte Hallenkran aus DDR-Zeiten wurde konserviert.

Passend zur Geschichte der Gebäude ist die erste Ausstellung. Sie zeigt einen Ausschnitt aus dem Lebenswerk der ostdeutschen Fotografin Sibylle Bergemann (1941-2010). Diese hat nicht nur zahlreiche Motive für die bekannte Modezeitschrift „Sibylle“ fotografiert. Bergemann war um 1970 mit der Kamera auch in Oberschöneweide unterwegs und hat dort auf Straßen und in Betrieben – vermutlich im Kabelwerk Oberspree – Menschen und Arbeit fotografiert. Einige der Bilder sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Andere zeigen die Entstehung des Marx-Engels-Denkmals oder Menschen bei kulturellen Veranstaltungen im Palast der Republik und in Clärchens Ballhaus.

Zu sehen sind die Bilder von Sibylle Bergemann noch bis Ende Juli freitags und sonnabends von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf, ermäßigt drei Euro. Was danach zu sehen ist, steht noch nicht fest. „Wir lassen uns aber noch rechtzeitig etwas einfallen“, verspricht Eigentümer Sven Herrmann. RD
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