Nachbarin sorgt für Erinnerung an Else Schierhorn

Else Schierhorn wohnte bis 1939 in der Zeppelinstraße in Oberschöneweide. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Else Schierhorn (1898-1944) ist nicht vergessen. An die jüdische Berlinerin, die Opfer des Holocaust wurde, erinnert jetzt ein Stolperstein.

Die wenige Zentimeter große Messingplatte liegt im Bürgersteig vor dem Haus Zeppelinstraße 9. Hier hat Else Schierhorn nach Erkenntnissen von Anne Eichhorst gewohnt. Eichhorst wohnt in der gleichen Straße. "Menschen wie Else Schierhorn waren die Nachbarn unserer Vorfahren. Mit dem Stolperstein reißen wir sie aus dem Vergessen", sagt Anna Eichhorst.

Sie hat nicht nur in mehreren Archiven die Lebensgeschichte von Else Schierhorn erforscht, sondern auch selbst die Initiative für den Stolperstein übernommen und Herstellung und Verlegung bezahlt.

Die Verlegung nahm der Kölner Künstler Gunter Demnig wie fast immer persönlich vor. Mit Routine entfernte er ein paar Stücke des Kleinpflasters, verdichtete den Boden, passte den Stolperstein ein und befestigte ihn mit Zement. Anwohner und Schüler der nahen Isaac-Newton-Schule waren zur Verlegung gekommen. Da sich Else Schierhorns Spuren 1944 in Auschwitz verlieren, gibt es für sie kein Grab, nun übernimmt der Stolperstein die Aufgabe eines Gedenkorts. Else Schierhorn wurde 1898 in Essen geboren. Wenig später kam sie mit ihrer Familie nach Berlin. Später war sie mit dem Schneider Erich Schierhorn verheiratet, der kein Jude war. Wann und warum die Ehe später geschieden wurde, ist nicht bekannt. Mit der Scheidung war Else Schierhorn jedoch den Nürnberger Gesetzen der Nationalsozialisten ohne jeden Schutz ausgeliefert. Im Jahr 1939 lebte sie als Untermieterin in der Zeppelinstraße 9. Später musste sie in eine sogenannte Judenwohnung in der Ansbacher Straße in Schöneberg ziehen. Am 15. März 1943 wurde sie dort von der Gestapo abgeholt, die Wohnung versiegelt. Ihr Inventar wurde verkauft, der Erlös von 13,50 Mark vom Staat eingezogen. Else Schierhorn wurde am 17. März 1943 nach Theresienstadt deportiert. Von dort ging sie am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz, wo sich ihre Spur verliert.

Gunter Demnig hat inzwischen europaweit über 50 000 Stolpersteine verlegt, der 50 000 kam im Januar in Turin in den Bürgersteig.

Wissenswertes zum Stolpersteinprojekt unter www.stolpersteine.eu.
Ralf Drescher / RD
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