Industriesalon sucht Paten für Elektronenorgel

Heinz Finder an der Toccata-Elektronenorgel. Jetzt werden Fachleute gesucht, die sich mit historischer Elektronik auskennen. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Der Industriesalon Schöneweide hat sich als regionales Museum und als Bewahrer der örtlichen Industriegeschichte einen Namen gemacht. Jetzt werden Unterstützer für eines der wichtigsten Ausstellungsstücke gesucht.

Es geht um die 1954 im damaligen Werk für Fernmeldewesen (später Werk für Fernsehelektronik, WF) entwickelte erste elektronische Orgel der DDR. Die war von Heinz Finder erdacht und in wenigen Exemplaren gebaut worden. Finder war es gelungen, das viele Jahre nicht genutzte Gerät gemeinsam mit dem Industriesalon wieder zum Spielen zu bringen. "Am 20. Dezember ist Heinz Finder mit 82 Jahren verstorben. Er war der Einzige, der sich mit diesem elektronischen Instrument wirklich ausgekannt hat", sagt Susanne Reumschüssel vom Industriesalon traurig.

Seit rund einem Jahr kümmert sich eine Studentin vom Fachbereich Konservierung und Restaurierung der Hochschule für Technik und Wirtschaft um das Instrument. Allerdings fehlen ihr naturgemäß Kenntnisse der Elektronik. Die besteht ja nicht aus Blasebalg und Orgelpfeifen, sondern aus rund 250 Elektronenröhren, Widerständen, Kondensatoren und mehreren Hundert Metern Draht. Ein großer Teil der Kondensatoren hat in den vergangenen Jahrzehnten seine technischen Parameter verändert, deshalb stimmt die Tonlage vieler Bauteile nicht mehr.

Damit mit der Toccata-Orgel überhaupt gespielt werden konnte, hatte Heinz Finder mehrere Register abgeschaltet.

"Wir suchen jetzt Menschen, die die Studentin mit ihrem technischen Wissen bei der Dokumentation der Orgel unterstützen und helfen, eine mögliche Restaurierung vorzubereiten. Geeignet wären vielleicht Tontechniker oder Radio-Fernseh-Servicetechniker, die sich mit Röhrentechnik und elektronischen Schaltungen der 50er Jahre auskennen", sagt Susanne Reumschüssel. Musikalisch müssen diese Techniker nicht sein. Auch Heinz Finder konnte das Instrument nicht wirklich spielen sondern ihm lediglich einzelne Töne entlocken.

Potenzielle Unterstützer sollten erst einmal ehrenamtlich tätig werden, später ist eine Beschäftigung im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes möglich. Interessenten melden sich bitte direkt im Industriesalon, Reinbeckstraße 9, oder unter 53 00 70 42.

An gleicher Stelle ist noch bis Anfang März übrigens noch die Sonderausstellung "Plaste von der Burg" zu sehen, die zahlreiche, von DDR-Designern der damaligen Hochschule für industrielle Formgestaltung, Halle Burg Giebichenstein entwickelte Haushaltsgegenstände der 60er Jahre zeigt.

Geöffnet ist mittwochs von 14 bis 18 Uhr und freitags von 14 bis 19 Uhr.

Ralf Drescher / RD
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