Echt mexikanisch: Berlins erste Tortilla-Manufaktur

Jasmin Alvarez stapelt jeweils ein Kilogramm frische Tortillas übereinander. (Foto: Foto: Steffi Bey)
 
Stefan Alscher an der Teigmaschine. (Foto: Foto: Steffi Bey)
Berlin: Tortilla-Maunfaktur |

Oberschöneweide. In der Siemensstraße 16 gibt es die erste und einzige „Tortilleria“ Berlins. Seit einem Jahr entsteht bei "Cintli" echtes mexikanisches Fladenbrot.

Der Duft, der durch den kleinen Produktionsraum strömt, erinnert an einen Jahrmarktbesuch: angenehm süßlich, aber unaufdringlich. Auf jeden Fall macht er Appetit. Wenn man allerdings die runden, unscheinbaren Teiglappen sieht, wundert es doch ein bisschen, dass die so gut riechen.

„Das kommt vom Maismehl, dem Hauptbestandteil der Tortillas“, sagt Stefan Alscher. Ansonsten besteht der Teig nur noch aus einer Mischung aus Wasser und Salz.

Im April vergangenen Jahres hat Alscher gemeinsam mit seiner mexikanischen Frau die besondere Fladenbrot-Produktion in Oberschöneweide begonnen. Seitdem befüllt er jeden Morgen die Teigmaschine mit den Zutaten, lässt sie rühren und kneten und drückt schließlich den Knopf der mexikanischen, gasbetriebenen Tortilla-Maschine. Der Teig – natürlich nur ohne gentechnisch veränderten Mais – gelangt über eine Walze hinein, wird mehrfach gewendet und gebacken, bis helle, runde Fladen auf das Kühlband fallen. Im Durchmesser sind sie zwischen neun und 15 Zentimeter groß, je nachdem, wie sie der Kunde wünscht. Eine Mitarbeiterin nimmt die fertigen Tortillas auf und stapelt jeweils ein Kilogramm davon übereinander. Das war’s.

Wahrscheinlich klingt das viel einfacher, als es ist. Aber mehr gibt es zum reinen Produktionsprozess nicht zu sagen. Interessanter ist das ganze Drum und Dran. Und die Frage, wieso ein promovierter Soziologe nicht mehr hinterm Schreibtisch sitzt, sondern plötzlich mexikanische Teigfladen produziert.

„Ich wollte etwas anderes machen, mein Job als Wissenschaftler füllte mich nicht mehr aus“, erklärt der 44-jährige Familienvater. Dass er sich nun die meiste Zeit des Tages mit Tortillas beschäftigt, ist eigentlich ein Zufall. Seine Frau Jeanine Tapia, eine studierte Theaterpädagogin, und er stellten eines Tages fest: In Berlin gibt es keine frischen Tortillas zu kaufen, nur Tiefkühlware.

Ausgehend von dieser Erkenntnis entwickelten beide ihr Unternehmenskonzept. Manchmal erinnert sich Alscher an die Anfangszeit, als das Paar zunächst experimentierte: Mal verbrannten die Teigfladen, mal riss das Förderband. Nach einem Jahr ist zum Glück alles eingespielt. Monatlich verlässt rund eine Tonne frische Tortillas die kleine Fabrik. Hauptkunden sind mexikanische Gastronomen in Berlin. Auch an Einzelhändler wird das dünne Fladenbrot vakuumverpackt versandt. Und jeden Donnerstag zwischen 12 und 14 Uhr ist Werksverkauf an der Siemensstraße 16. Manchmal gibt Alscher den Kunden auch ein paar Tipps mit auf den Weg: Dass sie die Brote möglichst frisch belegen und vor allem frisch verzehren sollten. Bis zu einer Woche halten sie aber auch gut verpackt im Kühlschrank.

Stefan Alscher kommt sogar richtig ins Schwärmen: „Eine echte Tortilla erfüllt gleich drei Aufgaben – sie ist mexikanisches Brot, Teller und wenn sie leicht zusammengerollt wird, sogar ein Löffel.“ Und er wirkt zufrieden. Vor allem den unmittelbaren Kundenkontakt mag er. „Ich sehe unsere kleine Manufaktur auch als Beitrag zu einem bunten Schöneweide“, erklärt er und lächelt. bey
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