Wie sich Pankow veränderte: Neues Buch über die Sanierungsgebiete im Bezirk erschienen

Dieses Foto in der Dunckerstraße im Helmholtzkiez entstand 1993. Der Sanierungsbedarf an den Häusern war enorm. (Foto: Bernd Wähner)
 
Elfi Czaika, Sylvia Hoehne-Killewald, Jens-Holger Kirchner, Theo Winters, Susanne Jahn und Christina Lindemann präsentieren das neue Buch. (Foto: Bernd Wähner)

Pankow. Das neue Buch „Eine Stadt verändert sich. Berlin Pankow – 25 Jahre Stadterneuerung“ ist ein imposantes Zeitdokument. Fachleute werfen darin sachlich und kritisch einen Blick auf ein Thema, das viele Gemüter bewegte und bewegt.

Es war Anfang der 90er-Jahre. Da beschloss der Senat, dass besonders heruntergekommene Kieze im Ostteil der Stadt zu Sanierungsgebieten werden sollen. In diese sollten besonders viele Fördermittel fließen. Im Altbezirk Pankow wurde das Gebiet an der Wollankstraße und in Weißensee das Komponistenviertel ausgewählt. In Prenzlauer Berg war in die Wohnquartiere Kollwitzplatz, Teutoburger Platz, Helmholtzplatz, Winsstraße und Bötzowstraße zu investieren. Diese fünf Kieze waren dann über zehn Jahre lang sogar das größte zusammenhängende Sanierungsgebiet Europas.

Vor genau einem Jahr verlor mit dem Helmholtzkiez das letzte der sieben Pankower Sanierungsgebiete diesen Status. „Wir wollten das zum Anlass nehmen, um einen Blick auf nunmehr 25 Jahre Stadterneuerung im Bezirk zu werfen“, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grüne). „Als wir darüber nachdachten, war uns schnell klar, dass wir das mit keiner geschönten Hochglanzbroschüre, sondern mit einem richtig gut gestalteten Buch tun möchten.“

Als Partner konnte die Stadtentwicklungsabteilung den Nikolai-Verlag gewinnen. Gemeinsam erarbeiteten sie ein 328 Seiten starkes, reich bebildertes Buch. In ihm wird sachlich Bilanz gezogen, und es kommen auch kritische Stimmen zu Wort. „Diese kritische Bewertung wollten wir keinesfalls außen vor lassen“, so Kirchner. „Es gab im Zuge der Stadterneuerung immer heiße Diskussionen, Auseinandersetzungen und Meinungsverschiedenheiten. Die gehören einfach zu solch einem Prozess, in dem wir alle etwas lernten. Im Rückblick ist man natürlich immer schlauer.“

Zu diesen kritischen Stimmen gehört Dr. Matthias Bernt. Er promovierte zum Thema Stadterneuerungspolitik in Berlin und kennt sich bestens aus. Dr. Armin Hentschel wirft indes von einer anderen Seite aus den Blick auf die Stadterneuerung im Bezirk. Aus Sicht der Immobilienwirtschaft erklärt er, warum manches anders ablief, als es sich die Initiatoren des Sanierungsprozesses Anfang der 90er-Jahre wünschten. „Das hat auch mit weltweiten Entwicklungen zu tun“, so Kirchner. „Das Interesse großer Investoren an Berlin und an Pankow nahm erheblich zu.“

Natürlich gibt es im Buch eine umfassende Übersicht über das, was sich in den Sanierungsgebieten tat. So werfen in den jeweiligen Kiezen bekannte Akteure wie Theo Winters, Monika Schröder, Barbara Neubauer und Ute Truttmann vom Sanierungsträger Stern einen Blick auf das Geschehen in Prenzlauer Berg. Elfi Czaika und Christina Lindemann vom Büro Werkstatt resümieren die Entwicklung im Komponistenviertel, und Susanne Jahn vom Büro Jahn, Mack & Partner erinnert an das Geschehen im Kiez an der Wollankstraße.

Und wie geht es nun weiter? Einen Ausblick wagt Jens-Holger Kirchner im letzten Beitrag des Buches. Man werde sich unter anderem noch mehr dem sozialen Erhaltungsrecht widmen. Dieses gilt bereits für 80.000 Wohnungen im Bezirk. Für weitere fünf Kieze wird der Einsatz dieses relativ neuen Mittels zum Schutz der Mieter geprüft, erklärt der Stadtrat. In den kommenden Jahren werde sich Pankow allerdings auf die Stadterweiterung, also den Neubau von Wohnungen konzentrieren. BW

Das neue Buch (ISBN 978-3-89479-932-8) ist im Nikolai-Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro.
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