Eltern und Politiker fordern bessere Personalausstattung

Wo ist unser Lehrer? An den Pankower Schulen fielen im vergangenen Schuljahr durchschnittlich jede Woche 710 Stunden Unterricht aus. (Foto: BW)

Pankow. In den Schulleitungen müssen jeden Tag erneut Vertretungspläne gebastelt werden. Häufig findet aber auch gar kein Unterricht statt. Eltern wundern sich dann nur, wenn ihre Kinder mal wieder früher nach Hause kommen. Aber das ist Alltag in Berlin.

Allein an den rund 60 Pankower Schulen fielen im vergangenen Schuljahr jede Woche durchschnittlich 4590 Vertretungsstunden an. 3880 Unterrichtsstunden davon meldeten die Schulen dem Senat als wirklich vertreten. 710 Stunden fielen hingegen pro Woche aus. Diese Zahlen teilte Berlins Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) der Pankower Abgeordneten Stefanie Remlinger (Bündnis 90/Die Grünen) mit.

Für die Lehrerausstattung und den Schulbetrieb in den Bezirken ist die Bildungsverwaltung des Senats zuständig. Das Bezirksamt verwaltet indes die Schulgebäude, und auch die Bezirksverordneten sind bei allen Schulpersonalfragen außen vor. Nicht mal der Pankower Personalratsvorsitzende für Lehrer und Erzieher, Rudolf Streichardt, mag sich zu dem Thema äußern. Auf Anfrage erklärt er, dass der Personalrat Pankow nicht befugt ist, über dienstliche Angelegenheiten mit Außenstehenden zu sprechen.

Jan Körner vom Vorstand des Bezirkselternausschusses Pankow (BEA) sah sich indes die Auflistung der Vertretungs- und Ausfallstunden an: "Ich würde aus dem Bauch heraus sagen, dass es sich dabei auf alle Fälle um das nachweisliche Minimum handelt." Er geht davon aus, dass diese Statistik ein geschöntes Bild wiedergibt.

Diese Auffassung vertritt auch die Grüne Stefanie Remlinger. Sie war viele Jahre Verordnete in Pankow und kümmerte sich um den Themenbereich Schule. "Die Zahl der vertretenen Stunden sagt noch nichts über die Qualität der Vertretung aus. Meist findet die gar nicht fachgerecht statt. Das wissen eigentlich alle. Aber solange die Statistik stimmt, tut der Senat nicht viel."

In der Senatsverwaltung schätzt man die Situation etwas anders ein. Beate Stoffers, die Sprecherin von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) für Schule, erklärt auf Anfrage der Berliner Woche, dass sich die Situation in Pankow über die vergangenen drei Jahre hinweg verbessert habe. Der Anfall von Vertretungsstunden sei von 11,1 Prozent auf 10,4 Prozent zurückgegangen. Der Unterrichtsausfall ist von zwei Prozent auf 1,6 Prozent gesunken.

Die Schulleitungen hätten im vergangenen Schuljahr erneut bewiesen, dass sie beim Umgang mit Vertretungssituationen effektiv reagieren, so Stoffers. Für immerhin vier Fünftel der zur Vertretung anfallenden Stunden konnte eine Vertretung organisiert werden. "Da Krankheiten nicht planbar sind, kommt es bei allen organisatorischen Maßnahmen leider auch zu Unterrichtsausfällen", erklärt Beate Stoffers.

Doch die Zahl von Ausfälle und Vertretungen ließe sich verringern. Als Hauptursache für deren Ausfall sieht BEA-Vorstandsmitglied Jan Körner die Personalausstattung an den Schulen. Hat eine Schule eine 100-prozentige Personalausstattung, reicht das eigentlich nur, wenn alle gesund sind. Aber das ist praktisch nie der Fall. Bei Krankheitsfällen haben dann die anderen Kollegen die Mehrbelastung zu tragen. Das wiederum ist für deren Gesundheit nicht gerade förderlich. Ein Teufelskreis.

An einzelnen Schulen hat sich bei diesem Thema in den vergangenen zwei, drei Jahren allerdings etwas getan, schätzt der Pankower BEA ein. "Einzelne Schulleitungen haben hier hervorragende Optimierungsarbeit geleistet", erklärt Jan Körner. "Insbesondere dort, wo die Schüler das selbstständige Arbeiten gelernt haben, sind die negativen Auswirkungen deutlich weniger spürbar."

Die wichtigste Forderung der Elternvertreter ist, dass es an allen Schulen eine 110-prozentige Lehrerausstattung gibt. Des Weiteren sollten endlich an allen Schulen Schulsozialarbeiter eingesetzt werden. Durch die Umsetzung beider Forderungen könnte auch das Thema Inklusion abgesichert werden.

Diese Forderungen kann die Pankower Abgeordnete Stefanie Remlinger nur unterstreichen. Ihrer Meinung nach sollten die Schulen auch noch enger zusammenarbeiten, gemeinsam intelligentere Vertretungsregel und -materialien ausarbeiten. So könnte im Fall von notwendigen Vertretungsstunden auch weiter fachspezifisch unterrichtet werden. Auch beim Thema Lehrergesundheit wünscht sich die Abgeordnete mehr Engagement vom Senat. "Man sollte noch mehr die psychischen und sozialen Belastungen der Lehrer im Fokus haben und präventiv tätig werden", fordert sie. "Aber in dieser Richtung hat sich beim Senat noch nichts bewegt."


Bernd Wähner / BW
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.