Graffiti schützt vor Graffiti? Stadtrat zweifelt am Nutzen eines künstlerischen Fassadenbildes

Ob und wann die Fassade Jugendverkehrsschule Pankow in der Schönholzer Straße 20 neu gestaltet wird, ist weiterhin unklar.

Seit etlichen Jahren wird sie immer wieder mit Graffiti beschmiert. Deshalb beschlossen die Verordneten im vergangenen Jahr, dass das Bezirksamt einen Wettbewerb ausloben solle. Schüler sollten ihre Ideen für die Neugestaltung die Fassade entwickeln. Im Frühjahr ist dieser Wettbewerb durch das Jugendamt ausgelobt worden. Geplant war, dass eine Jury aus den eingereichten Arbeiten die Siegerentwürfe ermittelt. Diese Entwürfe sollten dann den Verordneten präsentiert werden. Sie hätten dann entschieden, was umgesetzt wird. Doch daraus wird nichts.

Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU): „Es wurden bis zum Abgabezeitpunkt keine Vorschläge eingereicht. Auch nach dem Stichtag sind keine Entwürfe eingegangenen.“ Auf Nachfrage teilten Schulen mit, dass sie in andere Projekten langfristig eingebunden seien und deshalb nicht teilnehmen könnten. „Da für dieses Projekt keine auskömmlichen Mittel für eine Projektbegleitung im Jugendamt bereitgestellt werden konnten, um diese zusätzliche Aufgabe in einem qualitativ hochwertigen Verfahren begleiten zu können, ist eine kontinuierliche Begleitung des Ausschreibungsverfahrens ausgeblieben“, räumt Torsten Kühne ein.

Das Bezirksamt empfiehlt außerdem, von einer künstlerischen Gestaltung der Fassade generell Abstand zu nehmen. Jüngste Erfahrungen zeigten, dass solche in Projekten von Kindern und Jugendlichen neu gestalteten Wände, anders als früher, trotzdem weiter beschmiert werden. Das sei zum Beispiel zuletzt am Pavillon im Mühlenkiez in der Thomas-Mann-Straße 37 geschehen. „Unmittelbar nach der Fertigstellung wurde das künstlerisch gestaltete Graffiti mit einem großflächigen Take überschrieben“, so Kühne. Offenbar werde seit geraumer Zeit das ungeschriebene Gesetz der Graffitiszene gebrochen, dass Graffiti anderer Sprayer unantastbar sind.

„Insofern stellt sich die Frage, ob die künstlerische Gestaltung der Fassade mit Graffiti das geeignete Mittel ist, um weiteren Schmierereien entgegenzuwirken“, resümiert Torsten Kühne. Deshalb sollte weiterhin nach einer langfristig geeigneten Lösung für die Gestaltung der Fassade der Jugendverkehrsschule gesucht werden, empfiehlt das Bezirksamt.
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