Leben am Eschengraben: Senioren erforschten die Geschichte ihre Kiezes

Margit Rogalski recherchierte unter anderem die Geschichte von Gertrud Claasen. Die Bildhauerin wohnte als Vormieterin in der Wohnung am Eschengraben, in der sie seit nunmehr 40 Jahren lebt. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Upsala |

Pankow. Ihren Heimatkiez am Eschengraben erforschten in den vergangenen Monaten Senioren. Jetzt zeigen sie eine selbst gestaltete Ausstellung.

Margit Rogalski, die Initiatorin des Geschichtsprojektes, ist sichtlich stolz. An den Wänden des Treffs „Upsala“ hängen acht große Tafeln mit vielen Bildern und gründlich recherchierten Texten. So komprimiert gab es noch nie einen Überblick über die Geschichte des Kiezes Eschengraben. Dabei gab es so viel über dieses Wohngebiet zu berichten.

„Am Eschengraben lebt es sich wunderbar“, schwärmt Margit Rogalski. „Ich zog 1975 hierher. Mich begeisterten von Anfang an die schönen Innenhöfe.“ Bis heute hat der Kiez nichts an seiner Kinder-, Familien- und Seniorenfreundlichkeit verloren. In Gesprächen mit jungen Eltern bekam Margit Rogalski aber mit, dass kaum jemand etwas über die Geschichte des Kiezes weiß. „Als ich mich dann im Fitnessstudio darüber mit Menschen meiner Generation unterhielt, reifte in mir die Idee, dass wir ein Geschichtsprojekt initiieren müssten.“

Alte Landkarten, Fotos und viele Informationen

Im Kinder- und Familienzentrum „Upsala“ gibt es einen Seniorenkreis. In diesem fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Zehn Mitstreiter konnte Margit Rogalski begeistern. Gemeinsam wurde in Museen und Archiven recherchiert. Es wurden alte Landkarten, Fotos und viele Informationen zusammengetragen.

In der Ausstellung ist nun zum Beispiel eine Landkarte von 1842 zu sehen. Auf dieser ist der ursprüngliche Verlauf des Eschengrabens zu erkennen. Er mündete seinerzeit in die Panke. Doch der Graben ist inzwischen Geschichte. Das Gebiet sollte Bauland werden. 1906/1907 wurde der Graben unterirdisch kanalisiert. Seitdem ist nichts mehr von ihm zu sehen. Als ab 1925 das Wohngebiet entstand, wurde eine Straße nach ihm benannt.

Die Besucher der Ausstellung erfahren außerdem, dass es seit 1893 einen Wasserturm gab. Daran konnte sich sogar noch eine Zeitzeugin erinnern. Er war von der U-Bahn aus zu sehen, wurde erst 1959 abgetragen. Was bisher auch nur wenige wussten: Am Eschengraben gab es mal eine Kleingartenanlage. Doch auch die ist seit 1974 Geschichte. Auf weiteren Ausstellungstafeln erfährt man mehr über die Geschichte der Willner-Brauerei, der Gut-Kind-Wohnanlage und der heutigen Trelleborg-Grundschule.

Den Ausstellungsmachern ist natürlich klar, dass es noch viel mehr zu berichten gibt. „Wir hoffen deshalb, dass wir nicht nur den jungen Familien, die heute hier leben, Informationen über ihren Heimatkiez vermitteln können“, sagt Margit Rogalski, „sondern dass wir von Alteingesessenen noch mehr Informationen und Bilder aus vergangenen Zeiten erhalten.“ Für diesen Zweck wurde in der Ausstellung ein Briefkasten installiert, in den weitere Hinweise eingeworfen werden können. BW

Die Ausstellung ist bis zum 8. September in der Upsalaer Straße 6 zu besichtigen. Weitere Informationen unter  472 20 84 sowie über den E-Mail-Kontakt familienzentrum.upsala@gmail.com.
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