Vom Rittergut zum Wohnprojekt

Der Eingang zum Stadtgut Blankenfelde. Eine Ausstellung zu seiner Geschichte ist jetzt im Museum Pankow zu sehen. (Foto: Bernd Wähner)
 
Die alte Steinscheune ist saniert worden. Im Obergeschoss entstanden Wohnungen, darunter ein Mehrzweck- sowie ein Bewegungsraum. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. „Rieselfelder, Liegekur und Runkelrüben“ heißt die neue Sonderausstellung des Museums Pankow. Diese widmet sich der wechselvollen Geschichte des Stadtguts Blankenfelde.

Im nördlichsten Ortsteil des Bezirks kann man noch richtige Landluft riechen. In Blankenfelde gibt es Pferdehöfe, einen Reitverein, Felder, und hier fahren auch noch Traktoren und Mähdrescher. Der größte Hof in diesem Berliner Dorf befindet sich an der Hauptstraße 24-30. Hier leben Menschen, die sich zum Verein StadtGut Blankenfelde zusammenschlossen. Dieser übernahm vor zehn Jahren das geschichtsträchtige Hof-Ensemble.

Die Vereinsmitglieder räumten in den vergangenen Jahren auf dem Bauernhof gründlich auf. Sie sanierten Gebäude und bauten sie um und aus. Es entstanden Wohnungen und mehrere Projekte auf dem 5,2 Hektar großen Areal. Inzwischen leben hier 90 Menschen, über ein Drittel davon Kinder. Neben dem Wohnprojekt siedelten sich auch die „Freie Naturschule im Stadtgut“, eine Bio-Imkerei, ein Künstler, ein Schreiner und ein Baumeister an.

Einige der Vereinsmitglieder befassen sich seit Längerem mit der Geschichte Blankenfeldes und seines Stadtguts. In Zusammenarbeit von StadtGut-Verein und Museum Pankow wurde nun eine Ausstellung gestaltet, die Matthias Roch kuratierte.

Ein Blick in die Geschichte Blankenfeldes ist auch ein Blick in die Geschichte Berlins. Die Stadt konnte Ende des 19. Jahrhunderts nur wachsen, weil, oft rücksichtslos, die Ressourcen des damaligen Umlandes genutzt wurden. Die wohl bedeutendste Zäsur für Blankenfelde war in diesem Zusammenhang der Erwerb des früheren Dorfs und seiner Felder durch die Stadt Berlin Ende des 19. Jahrhunderts.

Um das Dorf herum wurden fortan Rieselfelder angelegt. Diese sollten die Fäkalien der schnell wachsenden Residenzstadt aufnehmen. Auf der anderen Seite versorgte das Stadtgut Blankenfelde die Berliner mit Milch, Fleisch, Obst und Gemüse.

Was heute nur noch wenige wissen: Blankenfelde hatte auch eine wichtige Aufgabe in der Berliner Sozialpolitik. Das Stadtgut war jahrzehntelang auch Lungenheilstätte, Leichtkrankenhaus, Alten- und Flüchtlingsheim. Besondere Bedeutung kam dem Stadtgut während des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu. Von hier aus wurde die Versorgung der Berliner gesichert.

Dem kriegsbedingten Arbeitskräftemangel begegnete der NS-Staat mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern. Diese waren auch in Blankenfelde untergebracht. Die Rote Armee beschlagnahmte das Stadtgut 1945 und betrieb es bis 1950 als „Militärhilfswirtschaft“ zur Versorgung der sowjetischen Garnison in Potsdam. In der DDR war das Gut staatseigen und erlebte bis 1989, entsprechend der jeweiligen Landwirtschaftspolitik, immer wieder organisatorische Umbrüche.

Mitte der 90er-Jahre fiel das ehemalige Stadtgut dann in einen Dornröschenschlaf. Schließlich nahm sich der Verein StadtGut Blankenfelde des Geländes an. Vor zehn Jahren begannen dessen Mitstreiter die Gebäude denkmalgerecht instand zu setzen und für neue Nutzungen auszubauen. BW

Mehr über die wechselvolle Geschichte des Stadtguts ist bis zum 22. Mai in der Ausstellung des Pankower Museums an der Prenzlauer Allee 227/228 zu erfahren. Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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