Der Florakiez ist nach jahrelanger Sanierung einer der begehrtesten Wohnorte Pankows

„Ich war sofort in den Kiez verliebt“, sagt Manuela König. Sie eröffnete an der Florastraße einen Blumenladen. Inzwischen fühlt sich die Floristin hier heimisch. (Foto: Bernd Wähner)
 
Andreas Gerts in seinem Kiez: Auch 2016 wird er mit anderen das Florastraßenfest organisieren. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Florakiez |

Pankow. Der Florakiez liegt zwischen den zwei lärmenden Hauptverkehrsadern, der Berliner Straße und der Wollankstraße. Über das, was sich im Kiez tut, und über Menschen, die dort leben und arbeiten, berichtet die Berliner Woche in unserer neuen Serie „Unser Kiez – Rund um die Florastraße“.

Einen Blumenladen in einer Straße zu eröffnen, die nach der römischen Blumengöttin Flora benannt ist, ist wohl der Traum einer jeden Floristin. Manuela König erfüllte ihn sich. Sie ist seit 27 Jahren Floristin. Im vergangenen Jahr entschloss sie sich, an der Florastraße einen eigenen Laden zu eröffnen. „Unsere Familie hat Freunde im Kiez. Als wir die vor Jahren erstmals besuchten, war ich sofort in die Florastraße verliebt. Mir gefiel die ganze Atmosphäre, die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen“, sagt sie. Als sie mitbekam, dass dort ein Laden leer stand, griff sie zu. Am 14. September eröffnete sie die „Blumenkönigin“.

Ihren Einstand gab sie mit einer Floristik-Aktion auf dem Florastraßenfest 2015. „Ich finde es super, dass es so ein Straßenfest gibt. Da wollte ich natürlich sofort mitmachen.“ Organisiert wurde das Fest im vergangenen Jahr von einem kleinen Team von Gewerbetreibenden um Andreas Gerts. Er ist Inhaber der Familientherapie- und Coaching-Einrichtung Wortraum an der Görschstraße.

Gerts lebt seit 1999 mit seiner Familie im Florakiez. „Ich kenne ihn schon seit Anfang der 90er-Jahre, war hier oft unterwegs, spielte 1994 zum Beispiel im Unabhängigen Jugendzentrum JUP mit meiner Band. Später hatte ich hier beruflich zu tun. Inzwischen bin ich in diesem Kiez verwurzelt.“

Anfang der 90er-Jahre sah es rund um die Florastraße noch ganz anders aus. Von etlichen Häusern bröckelte der Putz. Es gab Baulücken. Die alte Mälzerei und der frühere VEB Elektrokeramik waren Industrieruinen. Viele Läden standen leer. Der Senat erklärte den Bereich zum Sanierungsgebiet. In die Erneuerung investierten Bund, Land und Europäische Union circa 100 Millionen Euro. 2011 war die Sanierung offiziell abgeschlossen.

Inzwischen ist der Kiez ein sehr begehrtes Wohngebiet. In den historischen Gemäuern der Alten Mälzerei entstanden 130 Wohnungen. Auf das einstige Elektrokeramik-Gelände wurde ein Quartier mit 240 Wohnungen gebaut. Die meisten Baulücken im Kiez sind verschwunden. Investoren oder Baugruppen schufen dort weiteren Wohnraum. „Der Bauboom im Florakiez ist enorm“, resümiert Andreas Gerts. „Auf jeden Fall findet hier eine Art Gentrifizierung statt. Die Mieten sind gestiegen. Viele zogen weg. Es leben aber auch viel mehr Familien als früher hier. Das belebt den Kiez auch.“

Positiv wertet Andreas Gerts, dass sich die Läden entlang der Florastraße füllten. „Da gibt es sehr viele Kreative“, sagt er. Kreative Geschäftsinhaberinnen begannen auch, vor acht Jahren das erste Florastraßenfest zu organisieren. Die Frauen machten das so toll, dass es gleich ein Erfolg wurde. Von Jahr zu Jahr wuchs das Fest. Mehrere Jahre hielt eine Eventmanagerin die Organisationsfäden in den Händen.

Anwohner und Geschäftsleute feiern das Florastraßenfest

„2014 begann ich, mich an der Organisation des Festes zu beteiligen“, so Gerts. „Ich stellte danach eine neue Struktur vor, wie das Fest organisiert werden könnte. Im vergangenen Jahr stemmte ich die Vorbereitung gemeinsam mit Melanie Faul vom Laden Zambomba und Marina Bundt vom Schmuckgeschäft Bundt fast allein.“

Das Florastraßenfest 2015 war ein voller Erfolg. Über 100 Läden und Stände hatten geöffnet. Und die Vorbereitung des Festes 2016 läuft gerade an. Die Anträge für nötige Genehmigungen sind schon gestellt. Wenn die durch sind, gehen die Einladungsmails an die Teilnehmer raus. Geplant ist das Florastraßenfest für den 3. September.

An Andreas Gerts wird wieder viel ehrenamtliche Arbeit im Vorfeld des Festes hängen bleiben. Was motiviert ihn? „Ich habe einfach Lust darauf, das zu organisieren. Seit 25 Jahren bin ich mit dem Kiez verbunden. Ich fühle mich hier wirklich wohl – und will dem Kiez etwas zurückgeben.“ BW
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