Ein Leben mit der Kunst: Joachim Pohl ist seit 40 Jahren Galerist in Pankow

Wann? 27.02.2017 18:30 Uhr

Wo? Galerie Pohl, Wollankstraße 112A, 13187 Berlin DE
Joachim Pohl in seiner Galerie. Hier zeigt er eines seiner Frühwerke: „Kleine Loddiner Höftlandschaft“ malte er Ende der 60er-Jahre. (Foto: Bernd Wähner)
 
Joachim Pohl wird im März 70 Jahre alt. Er kann dann zugleich auf vierzig Jahre als Galerist in Pankow zurückschauen. Zur Jubiläumsausstellung gibt er diesen Katalog heraus. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Galerie Pohl |

Pankow. „Mal erinnern 70 – 40 – 24“ ist der Titel einer neuen, ganz besonderen Ausstellung in der Galerie Joachim Pohl. Mit dieser begeht der Galerist seinen 70. Geburtstag. Außerdem kann er auf 40 Jahre Galeristenttigkeit im Bezirk Pankow zurückschauen, davon 24 Jahre in der eigenen Galerie in der Wollankstraße 112a.

In seinem Leben gestaltete der Kunstwissenschaftler etwa 500 Ausstellungen, und er lernte noch weit mehr Künstler kennen. Wie wählt man dann Arbeiten für eine Jubiläumsausstellung aus? Joachim Pohl entschied sich, Arbeiten von Künstlern zu zeigen, die ihn in seinem Leben auf besondere Weise beeinflussten. Welches Verhältnis er zu den einzelnen Künstlern hat, beschreibt er sehr anschaulich in seinem Katalog, den er zu dieser Ausstellung herausgibt.

Da war zum Beispiel der Maler und Grafiker Paul Rosié, den er noch als Student kennen- und schätzen lernte. Dort, wo die Mühlenstraße in die Berliner Straße mündet, also ganz in der Nähe des U-Bahnhofs Vinetastraße, hatten Pohls Eltern ihre Konditorei. „Ich hatte mein erstes Studienjahr abgeschlossen, als im Sommer 1967 das benachbarte Lokal als Vineta-Eck zu einem anspruchsvollen Speiserestaurant umgebaut wurde“, erinnert sich Joachim Pohl. Den Auftrag, dort ein Wandbild zu gestalten, erhielten die Künstler Paul Rosié (1910-1984) und Roland Spörl (1936-1972). Pohl nutzte die Chance, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Vor allem der wortgewandte Paul Rosié begeisterte ihn nicht nur als Künstler, sondern später auch als brillanter Eröffnungsredner von Ausstellungen. „Schließlich ergab sich aus diesen Begegnungen eine meiner ersten Grafik-Erwerbungen: ein Siebdruck mit Brecht-Porträt und Gedichttext“, sagt Pohl.

Ähnliche Geschichten hat er an andere Künstler, deren Werke er in der Ausstellung zeigt, wie Otto Dix, Fritz Cremer, Dieter Goltzsche oder seinen einstigen Schüler TRAK Wendisch. Von diesem stammt zum Beispiel die Skulptur Viertelmondträgerin auf dem Pankower Anger. „Wir kennen uns seit 1970. Ich war damals Kunstlehrer an der Wilhelm-Pieck-Oberschule, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Gymnasium“, so Pohl. Er verfolgte danach aufmerksam den Weg von TRAK Wendisch. Vor drei Jahren zeigte er in seiner Galerie eine Personalausstellung mit Arbeiten des Bildhauers, Malers und Zeichners.

Aber Joachim Pohl zeigt in der Jubiläumsausstellung nicht nur Arbeiten von anderen Künstlern. Er ist selbst seit seiner Jugend begeisterter Künstler. Aus Zeitgründen und in Ermangelung eines Ateliers hat er sich vor allem auf grafische Arbeiten konzentriert. Insgesamt 30 Bilder aus unterschiedlichen Schaffensperioden präsentiert er.

Mit Pankow ist Joachim Pohl sein Leben lang eng verbunden. Nach seinem Abitur am Friedrich-List-Gymnasium und dem gleichzeitigen Abschluss einer Lehre als Betriebsschlosser begann der Pankower 1966 ein Studium an der Humboldt-Universität. Als Diplomfachlehrer für Kunsterziehung arbeitete er danach an der Wilhelm-Pieck-Oberschule. 1977 begann seine Galeristen-Tätigkeit. Er wurde Leiter der Galerie am Prater. In dieser Eigenschaft setzte er in Ost-Berlin Akzente.

Ab 1984 folgte dann eine wissenschaftliche Aspirantur an der Humboldt-Universität. Daneben organisierte der Galerist zahlreiche Ausstellungsprojekte, zum Beispiel auch an der Erdgastrasse. Im Juni 1993 erfüllte er sich den Traum von der eigenen Galerie, die er an der Wollankstraße 112a eröffnete. BW

Die Jubiläumsausstellung wird am 27. Februar um 18.30 Uhr eröffnet und ist bis zum 21. April montags, dienstags und freitags von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 14 bis 19.30 sowie nach Vereinbarung unter  486 71 13 zu besichtigen.
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