In der DDR konnte Joachim Pohl seine Pläne nicht umsetzen

Pankow. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Seitdem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant, in den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen in dieser Stadt. In den kommenden Ausgaben stellt die Berliner Woche einige von ihnen vor.

Wie viele andere Menschen in Berlin erinnert sich auch Joachim Pohl noch ganz genau an die Nacht des Mauerfalls. "Ich war abends zu einer Ausstellungseröffnung in Johannisthal", sagt er. "Als ich zu Hause ankam, krakelte meine Mutter: ,Achim, die Mauer ist gefallen.‘ Ich konnte das gar nicht glauben. Aber dann machte ich den Fernseher an und sah das Gedränge an der Bornholmer Straße." Joachim Pohl hatte 1961 die Schließung der Sektorengrenze miterlebt. Die Familie bereitete gerade ihre Übersiedlung in den Westteil der Stadt vor. Der 13. August machte diese Pläne zunichte. "Wir wohnten im Kiez an der Mühlenstraße. Keiner dachte damals, dass die Grenze wirklich zubleiben würde", erinnert er sich. "Erst als eine Mauer gebaut wurde, war klar: Wir bleiben in Ost-Berlin."

Nach seinem Abitur am Friedrich-List-Gymnasium begann der Pankower 1966 ein Studium der Germanistik und Kunsterziehung an der Humboldt-Universität. Als Diplomfachlehrer für Kunsterziehung arbeitete er bis 1975 an der Wilhelm-Pieck-Oberschule, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Gymnasium. Es folgten zwei Jahre als freischaffender Kunstwissenschaftler, Ausstellungsregisseur, Publizist und Maler.1977 begann seine Galeristen-Tätigkeit. Er wurde Leiter der Galerie am Prater. In dieser Eigenschaft setzte er Akzente. 1984 bis 1987 folgte dann eine wissenschaftliche Aspirantur an der Humboldt-Universität. Fortan war er als Kunstwissenschaftler und Ausstellungskurator freiberuflich tätig.

Die Zeit nach dem Fall der Mauer nutzte Joachim Pohl, um gemeinsam mit anderen Künstlern und Kunstliebhabern am 30. Dezember 1989 den Kunstverein Pankow zu gründen. "Es gelang uns sogar, noch zu DDR-Zeiten ein eingetragener Verein zu werden", sagt er. Beruflich hatte der Kunstwissenschaftler erst einmal noch genug zu tun. "Ich hatte noch Verträge, die über den Sommer 1990 liefen", sagt er. "Als ich dann meinen ersten Job unter Westverhältnissen hatte, war ich enttäuscht. Ich erlebte große Sprücheklopferei bei West-Kollegen. Außerdem bemerkte ich, dass die West-Künstler ihre Ost-Kollegen zunehmend als Konkurrenten wahrnahmen und auch so behandelten." Schon seit Längerem hatte Pohl die Idee, eine eigene Galerie zu eröffnen. Doch zu DDR-Zeiten ließ sich die nicht verwirklichen. Der Mauerfall änderte alles. "Ich machte mich auf die Suche nach geeigneten Räumen", so Pohl. Diese fand er an der Wollankstraße 112a. "Osternativ" hieß die erste Ausstellung, die er im Juni 1993 eröffnete. Der Programmatik, vorwiegend Künstler aus dem Osten, vornehmlich aus Berlin, auszustellen, blieb der Galerist bis heute treu. Über 160 Ausstellungen zeigte Pohl in den zurückliegenden 21 Jahren. Die Liste der Künstler liest sich wie das Who is who der ostdeutschen Kunstszene.


Bernd Wähner / BW
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