Skizzen der Heimat: Christian Badel zieht seit Jahren zeichnend durch seinen Pankower Kiez

Christian Badel mit einem seiner vielen Skizzenbücher. (Foto: Bernd Wähner)
 
Der Künstler Christian Badel bei der Arbeit in seinem Atelier. (Foto: Bernd Wähner)

Pankow. Er hat in den zurückliegenden Jahren unzählige Skizzen von Alt-Pankower Szenerien angefertigt. Inzwischen hat Christian Badel einen ganzen Stapel mit Skizzenbüchern von Motiven aus dem Ortsteil. „Pankow ist so quirlig. Da gibt es immer wieder Neues zu entdecken“, sagt der Grafiker.

Sein Atelier hat Christian Badel im Herzen von Alt-Pankow. In dem Bürokomplex hinter dem Rathaus-Center mietete er sich gemeinsam mit etwa 25 Künstlern ein. Sie gaben sich den Namen KunstEtagenPankow (KEP). In dem Gebäude, das noch heute viel DDR-Charme versprüht, hatte vor 1989 die DDR-Außenhandelsfirma Intrac ihren Sitz. Diese gehörte zum Reich Alexander Schalck-Golodkowskis.

Dort verbringt Christian Badel einen Teil seiner Arbeitszeit. Die Spezialität des 49-Jährigen ist der „Kinderjournalismus“. Er gestaltet mit viel Liebe ganze Kinderseiten für Wochen- und Tageszeitungen. Dabei betätigt er sich nicht nur als Illustrator, sondern verfasst auch die Texte. Seine Kinderkunst fasst er unter dem Markennamen „Kikifax“ zusammen. Das zweite Standbein von Christian Badel ist seine Arbeit als Kursleiter der Jugendkunstschule Pankow.

Wartezeit überbrücken

Badel wuchs in Gotha auf. 1990 kam er nach Berlin, und seit 20 Jahren lebt er im Florakiez. „Hier fühle ich mich inzwischen zu Hause“, sagt er. Dass er so viele Skizzen von Pankow zeichnete, das ergab sich eher zufällig. „Ich bin hier viel unterwegs, und oft muss ich auch auf jemanden warten. Deshalb legte ich mir vor einigen Jahren ein Skizzenbuch zu“, erklärt Badel. „Ich nutze die Wartezeiten, um zu skizzieren, was ich gerade sehe.“

Inzwischen ist es ein ganzer Stapel mit Skizzenbüchern, die Badel füllte. Mal ist es eine Marktszenerie am Anger. Ein anderes Mal das Bürgerparktor oder eine Skulptur im Park. Aber auch Bilder von Menschen im Straßencafé oder spielenden Kindern finden sich in seinen Skizzenbüchern. „In den zurückliegenden Jahren zeichnete ich auch Gebäude, die inzwischen abgerissen, oder Sichtachsen, die inzwischen zugebaut sind“, so Badel. Damit dokumentiert der Künstler auch Pankower Veränderungen.

"Mein Kiez verändert sich"

„Mein Heimatkiez füllt sich langsam. Immer mehr Menschen ziehen hierher. Lücken werden bebaut. Manche Freifläche geht verloren, und damit die lockere Bebauung, die ich im Kiez so liebe“, resümiert Badel. „Aber Pankow hat immer noch viele Ecken, in denen ich mich sehr wohlfühle. Ich halte mich sehr gerne im Bürger- und Schlosspark auf oder laufe den Pankeweg entlang.“

Doch nicht nur ein Kiez, in dem man sich wohlfühlt, verbindet Badel mit dem Heimatbegriff. „Heimat ist für mich auch ein Ort, an dem man Leute kennengelernt hat, mit denen man sich trifft und austauscht.“ Insofern ist für Badel nicht nur sein Wohnkiez Heimat, sondern auch die KunstEtagenPankow, in der er sich mit seinen Kollegen austauschen kann. „Doch dieses Stück Heimat ist jetzt in Gefahr“, erklärt Badel. „Uns allen wurde zum Ende des Jahres gekündigt. Das Gebäude soll abgerissen werden. Hier ist ein Neubau geplant. Weil wir Künstler zusammenbleiben wollen, suchen wir jetzt einen neuen Ort, an dem möglichst viele von uns ein neues Atelier finden“, so der Künstler. BW
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