Vernachlässigtes Kulturgut: Stefan Paubel widmet einen ganzen Fotoband dem Kanaldeckel

Stefan Paubel präsentiert an zwei der über hundert Kanaldeckel, die es im Komponistenviertel gibt, sein Buch. Foto: BW (Foto: Bernd Wähner)

Weißensee. Wussten Sie eigentlich, wie vielfältig die Kanaldeckel in Berlin sind? Stefan Paubel zeigt das in seinem neuen Buch „Alte Kanaldeckel in Berlin“.

In diesem 256 Seiten umfassenden Buch finden sich 1740 Abbildungen von Kanaldeckeln. Aber das ist nur eine Auswahl aus Paubels Fotoarchiv. In den vergangenen fünf Jahren fotografierte er etwa doppelt so viele in der ganzen Stadt. Dazu ist er durch über 1000 Berliner Straßen gelaufen.

Seit Jahren erstellt Paubel besondere Panoramafotos. Er fotografiert Sehenswürdigkeiten und Straßenzüge. Die Gebäude rückt er dann am Computer zu Panoramen zusammen, die es so in der Realität nie geben würde. Bei dieser Arbeit fiel sein Blick auch auf Kanaldeckel. Allein im Komponistenviertel, in dem er wohnt, entdeckte er mehr als 100 Abdeckungen. Da kam er auf die Idee, eine Art Katalog der alten Berliner Kanaldeckel zusammenzustellen.

„Die ältesten noch vorhandenen sind um die 140 Jahre alt“, so Paubel. „Sie verschwinden aber zunehmend aus dem Stadtbild, weil sie im Zuge von Straßensanierungen ersetzt werden.“ Aber alte Kanaldeckel gelten heute als ein Teil der Industrie- und Kulturgeschichte. Das liegt auch daran, dass es in der Stadt so unglaublich viele unterschiedliche Formen gibt.

Groß-Berlin ist 1920 aus etlichen Städten und Umlandgemeinden entstanden. Jede hatte ihr eigenes unterirdisches Leistungssystem. Die Kanäle und Abdeckungen wurden von unterschiedlichen Firmen gebaut, und jede verwendete ihre eigenen Kanaldeckel. Hinzu kommt, dass sich im Laufe der Jahrzehnte die Deckel in ihrem Aussehen immer wieder veränderten. Und in Zeiten der Berliner Mauer wurden in Ost und West sowieso unterschiedliche Deckel verwendet.

So richtig in Mode kamen die Kanaldeckel nach Stefan Paubels Recherche um 1873. Seinerzeit entwarf der Stadtplaner James Hobrecht einen Prototyp und erließ entsprechende Vorschriften dazu. Daraus entwickelte sich später sogar eine DIN-Norm.

Bei den ursprünglichen Kanaldeckeln befand sich übrigens noch in den mittigen Kassetten Eichenholz. Später gab es Ganzmetalldeckel, und immer wieder sieht man auch Deckel, deren mittige Kassetten mit Beton ausgefüllt sind. Einen Überblick über all die Formen gibt Stefan Paubel in seinem Buch. Zu jedem vermerkte er natürlich den Fundort. Und im Buch ist selbstverständlich auch mehr über die Geschichte des Kanaldeckels zu erfahren. Das Vorwort schrieb Johannes Horscht. „Er arbeitete 40 Jahre in der Wasserwirtschaft und war dort für Kanaldeckel zuständig“, so Paubel. BW

„Alte Kanaldeckel in Berlin“ erscheint im NORA-Verlag (ISBN-10: 3865574335) und kostet 49 Euro.
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