Apfelbäume von der Roten Liste: Zwei Preisträger beim diesjährigen Umweltwettbewerb

BV-Vorsteher Michael van der Meer (Die Linke) überreicht die Umweltpreis-Urkunde an Christiane Unger von den Kleingärtnern aus der Anlage Bornholm II. (Foto: Tobias Schietzelt)
 
BV-Vorsteher Michael van der Meer (links, Die Linke) überreicht die Umweltpreis-Urkunde im Beisein von Umweltstadtrat Daniel Krüger (für AfD) an Kleingärtnerin Doreen Dietze. (Foto: Tobias Schietzelt)

Pankow. Der diesjährige Wettbewerb um den Umweltpreis Pankow ist beendet. Es gab mehrere herausragende Bewerbungen. Deshalb entschied sich die Jury, in diesem Jahr zwei Preise zu vergeben.

Ausgelobt wurde der Wettbewerb Anfang des Jahres von Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und Bezirksamt. Das Thema war „Lebendiger Garten? Natürlich!“. So verwundert es nicht, dass die Preise beide an Kleingärtner gingen, und zwar für ganz unterschiedliche Projekte.

Preisträger sind zum einen die Pächter aus der Anlage Bornholm II. Deren Herz hängt an Berlepesch, Krummstingel, Goldparmäne, Schnapsnase, Hasenkopf und anderen Obstbäumen mit ähnlich ungewöhnlichen Namen. Der Uneingeweihte wird sich fragen: Was sollen denn das für Bäume sein? Der Kenner wird den (Gärtner-)Hut ziehen. Denn dabei handelt es sich um alte, kaum noch angebaute Apfelbaumsorten.

Der Apfel, ursprünglich aus Asien eingewandert, ist für viele Menschen in Deutschland heute das bekannteste Obst. Kein Wunder, das er auch in Redewendungen seine Spuren hinterließ, wie: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Aber wer heute in den Supermarkt geht und auf das Angebot im Obstregal schaut, findet nur noch wenige, vielleicht ein Dutzend Apfelsorten, und in der Regel überall dieselben.

Dabei gab es in Deutschland einmal etwa 4000, berichtet Matthias Zarbock (Die Linke), der die Laudatio auf die Kleingärtner hielt. Davon verschwand durch den großflächigen Obstanbau und damit verbundene ökonomische Gründe etwa die Hälfte, weitere werden wohl folgen. Diesem Trend setzen die 181 Pächter der Prenzlberger Kleingartenanlage ihr Projekt „Alte Apfelsorten in Bornholm II“ entgegen. Unter anderem wurde eine Bestandsaufnahme vorgenommen.

Das Ergebnis: In der Anlage gibt es insgesamt sechshundert Apfelbäume. Von diesen stehen Sorten auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen. Wer in der Anlage einen neuen Apfelbaum pflanzt, wird sich nun sicher für eine alte Art entscheiden, um weiterhin die Vielfalt zu erhalten. Als Preisgeld für die Kleingärtner gab es 500 Euro.

Ganz anders ist das Projekt von Doreen Dietze geartet. Sie wurde mit der „Goldenen Kröte“, dem Hauptpreis des Wettbewerbs, und 750 Euro Preisgeld ausgezeichnet. Mit ihrem naturnahen Kleingarten in der Anlage Feuchter Winkel Ost überzeugte sie die Jury.

Als Stadtkind aus Prenzlauer Berg konnte Doreen Dietze schon in ihrer Kindheit Gartenluft schnuppern. Ihre Eltern und Großeltern hatten Gärten im Berliner Umland. 2013 bekam sie endlich einen eigenen im Ortsteil Heinersdorf. Die Parzelle bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihren Kindern. Bei der Gestaltung geht sie sehr bewusst vor. „Naturnah, ökologisch, ressourcenschonend und nachhaltig ist ihr Konzept“, berichtet die Verordnete Claudia Steinke (CDU) in ihrer Laudatio.

So baut Doreen Dietze Mischkulturen und nützliche Pflanzen an, die manch einer früher als Unkraut ausgemerzt hätte. Mit Obstgehölzen, Kräutern und einer Wildblumenwiese gelingt es ihr auf der Parzelle, eine Lebensgrundlage für Insekten und Vögel zu schaffen. Sie legte sogar einen Unterschlupf für Igel und einen Teich für Amphibien an.

Damit nicht unnötig Wasser verschwendet wird, werden ihre Hochbeete über ein Tropfsystem bewässert. „Alles wird hier wiederverwendet“, so Claudia Steinke. „Regenwasser wird aufgefangen, Pflanzenreste werden in einem Dreikammersystem kompostiert, die Benjeshecke wird mit Verblühtem und anderen Pflanzenteilen aufgefüllt und dient gleichzeitig als Wind- und Sonnenschutz.“

Doreen Dietze meint dazu: „Ich freue mich immer sehr, wenn Freunde zu Besuch sind, die auch gern einmal gärtnern wollen, und wenn die Kinder Freude finden am Beobachten der Tiere oder am Naschen an den Beerensträuchern. Dann hat man den Garten nicht nur für sich allein, sondern er ist auch ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Entspannung.“ BW
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