Gedenktafel für eine Unbeugsame: Pankower Frauenbeirat erinnert an Zenzl Mühsam

Matthias Köhne und die Sprecherin des Pankower Frauenbeirats, Susanne Bach, enthüllten an der Binzstraße die Gedenktafel für Zenzl Mühsam. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Gedenktafel Zenzl Mühsam |

Pankow. Auf Initiative des Pankower Frauenbeirats erinnert jetzt am Haus Binzstraße 17 eine Gedenktafel an Kreszentia (Zenzl) Mühsam.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte Zenzl Mühsam im Haus an der Binzstraße in Pankow. Dort verstarb sie 1962. „Sie zeichnete sich durch Mut und Unbeugsamkeit gegen die politischen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts aus“, erklärt Pankows Gleichstellungsbeauftragte Heike Gerstenberger bei der Enthüllung der Gedenktafel.

An der Seite Erich Mühsams

Als Tochter eines Gastwirts 1884 in Oberbayern geboren, heiratete sie 1915 Erich Mühsam. Sie inspirierte den Schriftsteller und Publizisten und kämpfte an seiner Seite für die Münchner Räterepublik. Als ihr Mann zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde, setzte sie sich mit Erfolg für eine Amnestie der Räterevolutionäre ein. 1924 wurde ihr Mann entlassen.

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verhafteten diese Erich Mühsam erneut. Sie ermordeten ihn 1934 im KZ Oranienburg. Zenzl Mühsam rettete sein umfangreiches Werk und floh nach Moskau. Doch auch dort wurde sie nicht glücklich. Sie war dem stalinistischen System ein Dorn im Auge. Am 23. April 1936 wurde sie wegen angeblicher „konterrevolutionärer trotzkistischer Tätigkeit“ erstmals verhaftet. Nach Freilassung und erneuter Verhaftung wurde sie schließlich wegen „Zugehörigkeit zu einer konterrevolutionären Organisation und wegen konterrevolutionärer Agitation“ zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt.

1946 kam sie wieder frei. Man setzte sie, völlig mittellos, in einen Zug nach Nowosibirsk. 1949 wurde sie erneut verhaftet und verbannt. Erst 1954, nach dem Tode Stalins, ließ man Zenzl Mühsam endgültig frei. Sie durfte in die DDR ausreisen.

20 Jahre Gefangenschaft und Verbannung

In Pankow konnte sie, von fast 20 Jahren sowjetischer Gefangenschaft und Verbannung gezeichnet, fortan ein unbeschwertes Leben führen. 1959 zeichnete man sie anlässlich ihres 75. Geburtstags sogar mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Silber aus. 1962 verstarb Zenzl Mühsam im Alter von 78 Jahren. Sie erhielt ein Ehrengrab in der Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde. Im Herbst 1992 wurde ihre Urne in das Ehrengrab von Erich Mühsam auf dem Waldfriedhof in Dahlem überführt.

„Das Leben von Kreszentia Mühsam spiegelt erschütternd die Kämpfe, die Tragik und die politischen Repressionen des 20. Jahrhunderts wider – und ihren Mut, sich dem entgegenzustellen“, sagt Bürgermeister Matthias Köhne (SPD). „Wir können auch heute noch viel aus ihrem Leben lernen.“

Dass die Tafel am früheren Wohnhaus von Zenzl Mühsam angebracht werden konnte, ist neben dem Pankower Frauenbeirat auch dem Verein Bundestagsfraktion Die Linke zu verdanken. Dieser unterstützte die Herstellung der Tafel finanziell. Die Journalistin Magda Geisler recherchierte indes in Vorbereitung auf die Erarbeitung der Gedenktafel das Leben und die Lebensleistung dieser mutigen Frau. BW
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