Vollrad Kuhn folgt auf Kirchner: Verordnete wählten mit großer Mehrheit neuen Stadtrat

Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste Vollrad Kuhn. (Foto: Bernd Wähner)
 
Nicolas Seifert wurde mit großer Mehrheit erneut als Stadtrat abgelehnt. (Foto: Bernd Wähner)

Pankow. Der Bezirk hat einen neuen Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste. Mit großer Mehrheit wählten die Verordneten Vollrad Kuhn (Bündnis 90/Die Grünen) in dieses Amt und zugleich zum stellvertretenden Bürgermeister.

Diese Wahl war nötig geworden, weil der langjährige Stadtrat der Bündnisgrünen, Jens-Holger Kirchner, als Verkehrsstaatssekretär in den Senat wechselte. Insgesamt 15 Personen bewarben sich bei den Pankower Grünen um Kirchners Nachfolge. Nach einer Vorauswahl setzte sich Kuhn als Stadtratskandidat schließlich auf der Kreismitgliederversammlung gegen fünf weitere Interessenten durch.

Mit Vollrad Kuhn schicken die Pankower Bündnisgrünen einen Mann ins Bezirksamt, der sowohl Politik- und Verwaltungserfahrung als auch Erfahrung in der Wirtschaft mitbringt. Der 60-jährige Diplomingenieur studierte Maschinen- und Schiffbau. Er gehörte 1989 zu den Mitbegründern der Grünen Partei in der DDR. 1990 wurde er dann Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister in Mitte. Von 1992 bis 1995 war er Stadtrat im Bezirk Treptow, wurde dann aber ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt.

Nach einer Legislaturperiode im Landesparlament wurde er Projektmanager für die Berliner Energieagentur und war für internationale Beratungsprojekte tätig. Daneben engagierte er sich ehrenamtlich als Betriebsratsvorsitzender. Später arbeitete er unter anderem als Manager für eine Stiftung sowie ein global agierendes US-Unternehmen.

Vollrad Kuhn habe bewiesen, dass er für das Amt des Stadtrats das nötige Handwerkszeug mitbringt, erklärt der Kreisvorsitzende der Grünen, Jens Haustein. „Seine beruflichen Qualitäten weisen ihn als Fachmenschen für das auszufüllende Amt aus.“ Er möchte das Wachstum Pankows in den nächsten Jahren mitgestalten, sagt Kuhn in seiner Vorstellungsrede vor den Verordneten. Dabei will er auf Kontinuität setzen und an Kirchners Wirken anknüpfen, aber auch eigene Akzente setzen, zum Beispiel beim Ausbau der grünen Infrastruktur im Bezirk. „Ich möchte Pankow weiter nachhaltig entwickeln, klimafest machen und für mehr Flächengerechtigkeit für den Rad- und Fußverkehr sowie den öffentlichen Personennahverkehr sorgen“, erklärt Kuhn.

Mit der Wahl des neuen Stadtentwicklungsstadtrats ist das Bezirksamt aber fünf Monate nach der Wahl immer noch nicht komplett. Das Anrecht auf den fünften Sitz im Bezirksamt hat die AfD. Diese hält weiterhin an ihrem Kandidaten Nicolas Seifert fest. Vor seinem nunmehr siebten Wahlgang wandte sich der 43-Jährige an die Verordneten. Darin warb er um deren Stimmen.

Zuvor hatte Seifert über den AfD-Fraktionschef Stephan Wirtensohn den anderen Parteien eine 50-seitige Dokumentation zukommen lassen, mit der er seine fachliche und persönliche Eignung unterstreichen wollte. Dieses Schreiben, das die Adressaten sehr genau analysierten, bestärkte sie allerdings nur in ihrem Standpunkt, dass Seifert nicht als Stadtrat geeignet ist. Das machten die Fraktionsvorsitzenden Matthias Zarbock (Die Linke), Daniela Billig (Bündnis 90/Die Grünen) und Roland Schröder (SPD) in ihren Statements zu Seiferts Rede deutlich.

So erhielt der AfD-Kandidat in seinem siebten Wahlgang diesmal sogar nur sieben Jastimmen, und er wurde mit 43 Neinstimmen als Stadtrat abgelehnt. Nun bleibt abzuwarten, ob die AfD-Fraktion sich für einen neuen Kandidaten entscheidet, juristische Schritte einleiten wird oder ob sich BV-Vorsteher Michael van der Meer (Die Linke) nochmals mit der Bezirksaufsicht des Senats zum weiteren Vorgehen in Verbindung setzt. BW
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