Für Dieter Knust wurde die Modernisierung seiner Wohnung zum Horrortrip

Der 1,95-Meter-Mann Dieter Knust in seiner neuen Duschecke: Eigentlich ist sie für ihn viel zu klein. (Foto: BW)

Pankow. Dass Modernisierungsarbeiten im Haus zu einem Horrortrip werden können, erlebte Mieter Dieter Knust in den zurückliegenden zwei Jahren.

Der Pankower kam in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in der Paracelsusstraße 5 vor 72 Jahren zur Welt und lebt noch heute dort. Allerdings hat inzwischen die Verwaltung gewechselt. Diese übernahm die Deutsche Wohnen AG. Im Interesse der Mieter sollten die Wohnungen modernisiert werden. Doch damit begannen für den 1,95 Meter großen, schwerbehinderten Mann die Probleme. Ein erster Streit: Als Ersatz für seine bisherige Badewanne bot man ihm eine für ihn ungeeignete Badewanne an. Er wäre mit seiner Behinderung gar nicht hinein gekommen. Deshalb bat er, alternativ eine Dusche einzubauen. Er wollte sie selbst besorgen und sich sogar an der Finanzierung beteiligen. Eingebaut wurde ihm allerdings eine sehr kleine Dusche. Um diese überhaupt nutzen zu können, beauftragte er einen Handwerker, ihm einen Sitz an der Dusche einzubauen.

"Nicht nur um die Dusche wurde gefeilscht: Auch um Wasserhähne, Waschbecken und Heizung", berichtet Knust. "Das Hin und Her um die Duschtasse und einen Sitz an der Dusche nahm groteske Formen an. Behauptet wurde sogar, ich hätte hier illegal etwas umgebaut." Der Streit um den Badumbau war allerdings nicht die einzige unangenehme Überraschung. "Im Oktober 2011 wurden mein Bad, Rohrleitungsschacht und Küchenwand überschwemmt", berichtet Knust. Grund dafür war eine noch nicht angeschlossene Badewanne bei einem Mieter über ihm. Zunächst stellten Handwerker einen Trockner auf. Der wurde aber schon nach wenigen Tagen für einen ähnlichen Schaden im Nebenhaus abgezogen. Seitdem versuchte der Mieter selbst mit Heizung und Lüften die Räume wieder trocken zu bekommen.

Keine zwei Wochen später platzte in der Wohnung über ihm nach Arbeiten an der Heizung der Stopfen. "Im Nu wurde mein Zimmer darunter fünf Zentimeter überflutet", berichtet Knust. "Technik, wertvolle Bücher und Möbel im Wert von mehreren Tausend Euro waren beschädigt. Von der Versicherung wurde nur ein Teil ersetzt. Hinzu kam, dass die im Zimmer verteilten Notizen für mein neues Buch Makulatur waren. Das war für mich ein unermesslicher Schaden."

Im März 2012 war Dieter Knusts Wohnung dann, bis auf das Bad, fast fertig renoviert. "Da wurden über mir die Fußböden aufgerissen, um den Balkon zu verstärken", berichtet der Mieter. "Der Schutt brach durch die Decke meiner Zimmer. Die auf meinen Protest hin nachträglich angebrachten Plastikplanen hielten zwar den groben Schutt ab. Der feine Staub verteilte sich aber bis in die hinterste Ecke." Wegen der Modernisierungsarbeiten sei eine 50-prozentige Mietminderung vereinbart worden, berichtet Knust. Diese habe er auch pünktlich zu jedem Monatsanfang überwiesen, versichert der Mieter. Allerdings habe er nach Meinung seines Vermieters zu lange nur die Hälfte gezahlt. Auf Anraten seines Anwalts hat Knust die geforderte Summe inzwischen beglichen.

Doch sein Vermieter verklagte ihn inzwischen auf Nichteinhaltung der Modernisierungsvereinbarung. Anlass für diese Klage ist der von Knust in Auftrag gegebene Sitz an der Dusche. Für diesen eigenmächtigen Einbau könne man die Gewährleistung nicht übernehmen, so der Vermieter. Deshalb fordert man nun einen Rückbau, den Knust veranlassen soll. Bei einem ersten Termin vor Gericht, schickte der Richter beide Seiten mit dem Auftrag nach Hause, sich zu einigen.

In einem Schreiben an den Vorstand der Deutsche Wohnen AG hat Knust inzwischen den von ihm erlebten Verlauf der Modernisierung dargelegt. Die Berliner Verwaltung teilte mit, dass man die "geschilderten Sachverhalte zur Kenntnis genommen habe". Wegen des noch "rechtshängigen Verfahrens vor dem Amtsgericht Pankow/Weißensee" könne man "derzeit keine Stellungnahme abgeben". Auf Anfrage der Berliner Woche teilt Julian Pinnig von der Unternehmenskommunikation der Deutsche Wohnen AG nach Rücksprache mit den Verantwortlichen mit: "Wir bedauern es, dass es während der Modernisierungsmaßnahmen zu Beeinträchtigungen für Herrn Knust gekommen ist. Entstandener Schaden wurde durch die Versicherung ersetzt. Zudem haben wir eine 50-prozentige Mietminderung für die Zeit der Modernisierung gewährt." Dieter Knust hofft indes auf eine Einigung mit seinem Vermieter auch in Sachen Duschsitz. Er wünscht sich nach all den Unannehmlichkeiten der vergangenen Monate nur noch "Ruhe, Sauberkeit und Hygiene in meiner Wohnung".


Bernd Wähner / BW
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