Kreative übernehmen zunächst für fünf Jahre das Areal

In die frühere Willner-Brauerei an der Berliner Straße soll wieder leben einziehen. (Foto: BW)
 
Blick auf die Remisen der früheren Willner-Weißbierbrauerei an der Berliner Straße. Dort werden künftig Handwerker und Künstler arbeiten. (Foto: BW)

Pankow. Die frühere Willner-Brauerei an der Berliner Straße 80-82 wird für die nächsten Jahre ein Ort für Kreative. Ein entsprechendes Konzept entwickelten unter anderen Christian Zeller und Tine Linder. Für ihr Projekt WBB Willner-Brauerei-Berlin erhielten sie einen Mietvertrag vom Eigentümer, der Nicolas Berggruen Holding.

Bis 1991 war die Brauerei noch in Betrieb. Dort gab es einen Biergarten und einen Tanzsaal. Später nutzte ein Flohmarkt Flächen und Gebäude. Vor gut drei Jahren erwarb schließlich die Nicolas Berggruen Holding die Immobilie. Deren Bauplanung braucht allerdings Zeit. Die Brauerei steht seit 15 Jahren unter Denkmalschutz. Damit die alten Gemäuer nicht so lange leer stehen müssen, ermöglichte der Investor eine Zwischennutzung.Christian Zeller wohnt seit einigen Jahren ganz in der Nähe. "Mich hat das Gelände sofort fasziniert", sagt er. Gemeinsam mit anderen Kreativen entwickelte er ein grobes Konzept. Mit dem nahm er vor zwei Jahren Kontakt zum Eigentümer auf und bewarb sich. "Es gibt immer weniger Freiräume in Prenzlauer Berg und in anderen Innenstadtbezirken", sagt er. "Unsere Idee ist es, hier neue Freiräume für Kreative zu schaffen. Außerdem wollen wir das Gelände für die Nachbarn öffnen." Fast zwei Jahre hörte sie nichts von der Berggruen Holding. Als sie im vergangenen Jahr noch einmal nachfragten, ging alles ganz schnell. Man zeigte sofort Interesse. Ein richtig ausgearbeitetes Konzept wurde eingereicht. Zum 1. Oktober 2012 konnte der Mietvertrag unterschrieben werden.

Seitdem wird nach und nach mit dem Ausbau erster Räume begonnen. Als erstes nahmen sich die neuen Mieter das frühere Zollhaus vor. Dort sollen Räume für Grafiker, Fotografen und Designer entstehen. Des Weiteren wird auf dem Gelände Platz für Handwerker geschaffen. Außerdem soll, vor allem im früheren Brauhaus, ein Ort für künstlerische Arbeit entstehen. Dort könnten zum Beispiel auch Theaterinszenierungen geprobt und aufgeführt werden. Vorgesehen ist, im Mai einen Biergarten im Hof zu eröffnen. Auch ein gastronomisches Angebot, zum Beispiel eine Pizzeria, ist geplant.

Doch bis die alten Gemäuer wieder komplett bezogen sind, ist noch vieles instand zu setzen und auszubauen. "Das Gelände war von Strom, Wasser und Abwasser völlig abgetrennt", sagt Tine Linder. Inzwischen ist wenigstens das gesichert. Der Vertrag mit Berggruen geht über fünf Jahre mit einer Option für weitere fünf Jahre. Die Nachfrage nach Räumen ist trotz dieser zeitlichen Begrenzung groß, so Zeller. Eigentlich gibt es schon für fast alle Räume Interessenten. Das liegt nicht zuletzt am Mietpreis von sechs Euro kalt. Allerdings haben alle künftigen Nutzer ihre Räume auch selbst herzurichten. Dafür sind stets auch Sponsoren und Unterstützer willkommen.

Zeller und Linder möchten aber nicht nur, dass wieder Leben in die alte Brauerei einzieht, sie möchten auch ein Stück Geschichte des Geländes aufarbeiten. Dazu wird ein Geschichtsprojekt initiiert. Dabei hofft man auch auf die Mitwirkung von Nachbarn und ehemaligen Mitarbeitern der Brauerei. Anfang des Jahres öffneten die Kreativen bereits für zwei Wochenenden das Gelände für Neugierige. Sie initiierten ein Kunstprojekt "WBB-Winterwald" mit 1001 Tannen, die einst als Weihnachtsbäume in Wohnzimmern standen. Ähnliches ist auch in Zukunft geplant.

Weitere Informationen zur gibt es auf www.wbb-pankow.de.

Bernd Wähner / BW
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