Konfliktlotsen jetzt auch im Sommerbad Pankow

Yakup Cura (20), Nursan Civelek (31) und Hussein Mousso (63) freuen sich auf ihren Einsatz als Konfliktlotsen im Sommerbad Pankow. (Foto: Kahle)

Pankow. Nach Gewaltvorfällen in den Freibädern von Kreuzberg und Neukölln wurde 2011 das Konfliktlotsenprogramm "Bleib cool am Pool" aufgelegt. Jetzt wurde das erfolgreiche Programm auch auf die Sommerbäder Gropiusstadt und Pankow ausgeweitet.

Der Anlass, auch Pankow einzubeziehen, geht auf zwei Vorfälle im vergangenen Jahr zurück. Da kam es am Einlass wegen Überfüllung des Bades zu Tumulten. Die Polizei musste eingreifen. Eine Woche später wurde ein Bademeister von etwa 50 Jugendlichen mit Migrationshintergrund angegriffen und angepöbelt, weil er die Wasserrutsche wegen Überfüllung schließen wollte. Die daraufhin alarmierte Polizei rückte mit 60 Beamten an und räumte das gesamte Freibad.

Damit sich Derartiges möglichst nicht wiederholt, sollen nun Konfliktlotsen die erhitzen Gemüter bereits im Vorfeld beruhigen: Dass sich unter Ihnen auch zahlreiche Migranten befinden, ist also kein Zufall. "Eine klare Ansage in der Landessprache reicht meistens schon aus", sagt Mohamed Ali (31), seit zwei Jahren Konfliktlotse. "Neuralgische Punkte in allen Sommerbädern sind vor allem Sprungturm und Rutsche", weißt Ayshe Beyazdag (30), seit diesem Jahr dabei, die im Sommerbad am Columbiadamm gemeinsam mit Ahmad Eliraqui (20) schon Schlimmeres verhindern konnte. Durch die zusätzliche Einführung von Familientagen, wo beide Anlagen gesperrt bleiben, hat sich die Lage im Sommerbad Pankow zusätzlich beruhigt.

"Die Konfliktlotsen sind weder Polizei noch Sicherheitsdienst", betont Berliner Bäder-Chef Ole Bested Hensing, der das Konfliktpotenzial mit einem Prozent zu relativieren versucht. Es gebe eine klare Arbeitsteilung. Die Schwimmmeister seinen für den Badebetrieb zuständig. Die Konfliktlotsen seien präventiv tätig; der Sicherheitsdienst bei ausgebrochenen Streitigkeit und die Polizei bei eskalierender Gewalt.

Pankows Polizeichef Bernhard Kufka, zuvor in Neukölln tätig, hat das Projekt "Bleib cool am Pool" nach Pankow geholt. Getragen wird es vor allem von den Berliner Bäderbetrieben (BBB), der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ), der Berliner Polizei und der Volker-Reitz-Stiftung, die die Präventionsarbeit der Berliner Polizei finanziell unterstützt. "Die Streitschlichter sind ehrenamtlich tätig. Sie werden in mehrmonatigen Kursen der GSJ ausgebildet. Dort erwerben sie soziale Kompetenzen, erhalten Schwimmunterricht und werden in Erster Hilfe ausgebildet. Die Konfliktlotsen bekommen eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro die Stunde. Aktuell sind in Berlins Sommerbädern 30 Konfliktlotsen in Teams von zwei bis drei Mann im Einsatz", erläutert Hartmut Kurzhals von der GSJ.


Michael Kahle / m.k.
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