Kunst-Stoffe setzt sich seit zehn Jahren für Ressourcenschonung ein

Corinna Vosse und Frauke Hehl im Materiallager von Kunst-Stoffe. Sie gründeten vor zehn Jahren das Projekt. (Foto: Bernd Wähner)
 
Seit zehn Jahren ist das Materiallager von Kunst-Stoffe an der Berliner Straße 17 zu Hause. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien |

Pankow. Was manche Menschen einfach wegwerfen würden, wird hier gesammelt. Und es wird an jene weitergegeben, die vermeintlichen Müll noch verwenden, kreativ nutzen möchten. „Kunst-Stoffe“ ist zweifellos eines der ungewöhnlichsten Recycling-Projekte Berlins.

Dieser Tage kann das Projekt zur Müllvermeidung und Nachnutzung Jubiläum feiern. Der Verein „Kunst-Stoffe – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien“ besteht seit zehn Jahren. In dieser Zeit hat das Team um Corinna Vosse und Frauke Hehl viele Tonnen „Abfall“ gerettet. Es versorgte etliche Künstler, Schulklassen, Kita-Gruppen und Kulturprojekte mit Material. Und dieses Pilotprojekt war für viele Menschen Inspiration im Umgang mit Ressourcen.

Die Idee für eine „Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien“ hatte vor zehn Jahren Corinna Vosse. Die Künstlerin lebte einige Zeit in den USA. Dort lernte sie sogenannte „Reuse-Center“ kenne, Umverteilungszentren für Rest-, Abfall- und Ausschussprodukte. Diese Dinge würden viele Firmen als Müll entsorgen. Auf der anderen Seite suchen gerade Künstler, Kunstpädagogen und andere Kreative Material, mit dem sie arbeiten können. Weil es solch ein Umverteilungszentrum in Berlin noch nicht gab, richteten es die Initiatorinnen Corinna Vosse, Frauke Hehl und weitere Künstler in der Berliner Straße 17 ein. Die Lage ist ideal: Das Grundstück befindet sich ganz in der Nähe vom Bahnhof Pankow.

Wer das Lager betritt, ist begeistert. Dort findet sich in Massen und wohlsortiert alles das, was Firmen und Privathaushalte nicht mehr brauchen und dem Verein spenden. Die Bandbreite reicht von Fahrradreifen, Papprohren, Plastebechern, Kronkorken bis hin zu Stoffballen. Aus diesem reichhaltigen Fundus kann man sich bedienen.

Aber nicht nur das bietet der Verein an. Es gibt im Haus offene Werkstätten für Menschen aller Generationen. In diesen erfahren die Teilnehmer, wie man aus vermeintlichem Müll Kunstwerke oder neue Gebrauchsgegenstände anfertigen kann. Weiterhin initiierte der Verein ein Repair-Café. In diesem werden Berliner dabei unterstützt, Defektes aus ihrem Haushalt zu reparieren. Ein weiteres Projekt: Vom Kunst-Stoffe-Team können Lastenräder ausgeliehen werden. Interessierten wird außerdem vermittelt, wie sie ihr eigenes Lastenrad bauen können.

Für sein Engagement ist das Kunststoffe-Team in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet worden. So erhielt es das Label des Rates für nachhaltige Entwicklung. Es wurde „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen 2013/14“ der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“. Für sein Repair-Café erhielt es außerdem den Berliner Umweltpreis.

Rückblickend sagt Corinna Vosse: „Die vergangenen zehn Jahre legten wir einen langen, anstrengenden Weg zurück. Es war nicht immer klar, ob es weitergehen würde. Und es ist nicht einfach, solch ein Projekt weiterzuführen. Es kann nicht allein von den Nutzern finanziert werden. Deshalb muss unsere Gesellschaft sich überlegen, wie solch ein Projekt künftig auf solider finanzieller Basis zu tragen ist.“ Vor allem dankt Corinna Vosse den Mitarbeitern, die sich im Projekt engagieren, obwohl „die Arbeit nicht angemessen honoriert werde“. BW

Weitere Informationen gibt es auf www.kunst-stoffe-berlin.de.
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