Vor zehn Jahren wurde die Wohnstadt Carl Legien Weltkulturerbe

Die Wohnstadt Carl Legien auf einer Postkarte von 1932. | Foto: Archiv BW
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Weltkulturerbe in Prenzlauer Berg? Das gibt es wirklich. Vor zehn Jahren entschied die Unesco, die denkmalgeschützte Wohnstadt Carl Legien entlang der Erich-Weinert-Straße mit fünf weiteren Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus der 1920er-Jahre in die Weltkulturerbeliste aufzunehmen.

Damit wurde der erhaltenswerte Charakter des einzigartigen Ensembles von höchster Stelle bestätigt und die Verpflichtung zu dessen Erhalt festgeschrieben. Die Wohnstadt Carl Legien wurde 1925 von den Architekten Bruno Taut und Franz Hillinger entworfen und von 1929 bis 1930 im Auftrage der gewerkschaftsnahen Wohnungsbaugesellschaft Gehag errichtet. Die Bezeichnung „Wohnstadt“ leitet sich von der offenen Bauweise ab, die einem neuen sozialen Konzept des innerstädtischen Bauens folgte.

Bis etwa 1920 baute man in Berlin auf teurem Bauland sogenannte Mietskasernen. Das waren enge Massenquartiere mit dunklen Hinterhöfen. Dagegen planten Bruno Taut und Franz Hillinger die Wohnstadt Carl Legien als eine Blockrandbebauung mit weiten Innenhöfen und Grünanlagen, die ein „bezahlbares Wohnen mit Licht, Luft und Sonne“ gestatteten.

Jede der etwa 1150 Wohnungen in den U-förmigen Wohnblöcken besitzt entweder einen Balkon oder eine Loggia. Entsprechend seinem Motto „Farbe ist Lebensfreude“ hatte Bruno Taut Fassaden, Fensterrahmen und Treppenhäuser verschiedenfarbig gestaltet.

Die Siedlung Carl Legien setzte Maßstäbe für den innerstädtischen sozialen Wohnungsbau in der Weimarer Republik und ist ein Musterbeispiel für Neues Bauen in Berlin. Das Neue Bauen war eine avantgardistische Stilrichtung der Architektur der 1920er- und frühen 1930er-Jahre in Deutschland. Ihre Bauten waren betont sachlich und funktional. Sie sollten sich grundlegend von den mit Säulen, Ornamenten und Stuck verzierten Bauten des Historismus und den engen Stadtquartieren aus der Gründerzeit ab 1871 unterscheiden.

Bruno Taut (1880-1938) gehörte zu den mit Berlin besonders verbundenen Hauptvertretern des Neuen Bauens. Nach seinen Entwürfen entstanden in Berlin über 10 000 Wohnungen, darunter die Hufeisensiedlung in Britz und die Gartenstadtsiedlung Am Falkenberg in Altglienicke, die ebenfalls in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurden. Taut war von 1924 bis 1932 auch Chefarchitekt der Gemeinnützigen Heimstätten AG (Gehag).

Die Gehag wurde 1998 privatisiert. Sie verkaufte die Carl-Legien-Siedlung an das Unternehmen BauBeCon. 2012 kaufte die Deutsche Wohnen Gruppe den Wohnungsbestand. Diese schloss 2014 die Sanierung der Carl-Legien-Siedlung ab. Seinerzeit ließ sie auch den Schriftzug „Wohnstadt Carl Legien“ an einem der Häuser in der Siedlung rekonstruieren. Dieser war vermutlich im Sommer 1933 von den Nationalsozialisten entfernt worden.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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