Pieck und Grotewohl sind zurück

Es hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Das Soho House. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Am Soho House an der Mollstraße/ Ecke Prenzlauer Allee, sind die Gedenktafeln für Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl wieder angebracht.

Beide Tafeln, die an die Mitbegründer der SED erinnern, waren vor der Gebäude-Sanierung demontiert worden. Mit der Hauseigentümerin war vereinbart worden, dass sie nach Abschluss der Arbeiten wieder angebracht werden.

Die deutsch-britische Immobilienfirma Cresco Capital hatte das markante Eckhaus 2007 erworben. Sie investierte 30 Millionen Euro in die Sanierung und den Umbau und eröffnete es vor fünf Jahren als Soho House. Es befinden sich jetzt exklusive Wohnlofts und Hotelzimmer darin.

Das Klub-Haus ist vor allem für Medien- und Geschäftsleute gedacht, die hier während ihres Berlinaufenthaltes wohnen und arbeiten können. Sie sollen im Haus so angenehme Bedingungen wie möglich vorfinden. Hier entspannten sich in den vergangenen Jahren zum Beispiel Madonna, George Clooney und Brad Pitt.

Vor Beginn der Sanierung hatte sich die Gebäude-Eigentümerin mit dem Bezirksamt geeinigt, dass die beiden Gedenktafeln mit den Reliefs von Pieck und Grothewohl während der Sanierungsarbeiten sicher zwischengelagert werden. Mit ihnen soll die wechselvolle Geschichte dieses Hauses wach gehalten werden.

Der Eckbau wurde 1929 von den jüdischen Geschäftsmännern Herrmann Gulluber und Hugo Haller als Kreditkaufhaus Jonaß eingeweiht. Zehn Jahre später zwangen die Nazis im Zuge der Arisierung die beiden Eigentümer zur Emigration und nutzten es fortan selbst. 1946 übernahm die SED das Gebäude und nannte es „Haus der Einheit“.

Der einzig DDR-Präsident, Wilhelm Pieck, und der SED-Vorsitzende, Otto Grotewohl, hatten hier ihre Arbeitszimmer. 1956 bezog dann das Geschichtsinstitut beim ZK der SED das Haus. Zu diesem gehörte auch das zentrale Parteiarchiv. Schließlich zog 1959 noch das Institut für Marxismus-Leninismus in das Gebäude. Anfang der 90er-Jahre ging das Parteiarchiv in das Bundesarchiv über und wurde ab 1992 nach Lichterfelde verlegt. Seit 1995 stand das Eckhaus leer – bis die Immobilienfirma Cresco Capital das Gebäude erwarb.

Zwei Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten waren die Gedenktafeln jedoch immer noch nicht an ihren alten Standort zurückgekehrt. Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow bat das Bezirksamt, Nachforschungen anzustellen. Laut Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (B' 90/Die Grünen) war die Gedenktafel für Wilhelm Pieck nicht mehr aufzufinden. Die Otto-Grotewohl-Tafel wurde unterdessen gesichert und einem Metallrestaurierungsbetrieb übergeben.

Nach langen Verhandlungen erklärte sich schließlich Cresco Capital zur Übernahme der Kosten für eine Rekonstruktion der Wilhelm-Pieck-Gedenktafel und deren Wiederanbringung bereit. 15 000 Euro kostete der Nach-Guss und das Anbringen beider Platten. Mittlerweile sind die Tafeln wieder an ihren angestammten Plätzen am Eingangsbereich des Hauses zu sehen. BW
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1 Kommentar
Ralf Drescher aus Köpenick | 16.01.2016 | 16:40  
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