Pauker und Pillen: Die Schule an der Christburger wurde lange als Poliklinik genutzt

Noch Anfang der 1990er-Jahre befand sich im Gebäude eine Poliklinik. (Foto: Bernd Wähner)

Es sieht wie eine Trutzburg in der Straße aus: das massive Schulhaus in der Christburger Straße 7.

Inzwischen hat dort die „Grundschule an der Marie“, benannt nach dem Stadtplatz gleich nebenan an der Marienburger Straße, ihren Sitz. Dieser Klinkerbau war 1908, also vor 110 Jahren von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann als Schulhaus gebaut worden. Zunächst lernten dort ausschließlich katholische Mädchen, bis am 1. April 1909 eine Gemeindeschule für katholische Jungen in dem Gebäude gegründet wurde.

Zwischen 1914 und 1918 wurde das Schulhaus allerdings als Reservelazarett genutzt, und im April 1932 löste sich schließlich die Knabenschule wieder auf. Etwa 1935 fand dafür eine Mischschule für katholische Knaben- und Mädchenklassen dort ihr Zuhause. 1945, zum Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde die Schule wiederum als Lazarett und Behelfskrankenhaus genutzt. Und zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude zu einer Poliklinik für den damaligen Bezirk Prenzlauer Berg.

Nach der Wiedervereinigung, 1992, wurden allerdings alle früheren Polikliniken „abgewickelt“. So stand auch das Gebäude in der Christburger Straße 7 leer. Doch dann wurde das Winsviertel zum Sanierungsgebiet erklärt. Eines der ersten Infrastrukturprojekte war der Umbau des Hauptgebäudes zu einer Schule von 1994 bis 1999 für 25 Millionen D-Mark. Und zu Beginn des Schuljahres 1999/2000 begann dort der Unterricht in der 5. Grundschule Prenzlauer Berg.

Neben dem eigentlichen Schulhaus entstand 1908 außerdem ein Lehrerwohnhaus, das auch als Gartenhaus bezeichnet wird. Zu Zeiten der Poliklinik war dort der Bereich unterbracht, in dem Haut- und Geschlechtskrankheiten behandelt wurden. Als es an die Sanierung des Haupthauses ging, wurde dieses Gartenhaus zunächst nicht berücksichtigt. Das eigentliche Schulhaus, das unter Denkmalschutz steht, war zwar innerhalb von fünf Jahren hervorragend saniert worden, doch das Gartenhaus, ebenfalls unter Denkmalschutz, verfiel immer mehr. Im Bezirksetat gab es kein Geld für die Sanierung. Und offenbar auch noch keine Idee, wie es genutzt werden könnte.

Weil die Behörden seinerzeit nichts gegen den Verfall des Gebäudes taten, dichteten Eltern und Mitglieder der Betroffenenvertretung selbst die zerschlagenen Fenster des Gebäudes mit Spanplatten ab. Außerdem entwickelten Anwohner die Idee, dass aus diesem Haus ein Kieztreff werden sollte. Es dauerte allerdings noch bis 2003, ehe auch in diesem Gebäude mit der Sanierung begonnen wurde. 2005 wurde es als Freizeithaus eröffnet. In diesem Gebäude betreibt der freie Träger Netzwerk Spiel/Kultur heute einen Hort, und unter dem Dach des Hauses befindet sich auch ein Kinder- und Jugendklub, der vom Jugendamt in Kooperation mit dem Netzwerk getragen wird.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.