Schüler diskutieren mit Landespolitikern über Flüchtlingspolitik

Schülerin Onia Ellinghaus eröffnete mit einführenden Worten die Diskussion. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Jeden Tag kommen neue Flüchtlinge nach Berlin, jede Woche öffnen neue Flüchtlingsunterkünfte. Wie kommt die Stadt damit klar? Wie viele Flüchtende kann Berlin verkraften? Um diese und ähnliche Fragen ging es in einer Podiumsdiskussion des Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasiums.

Die Diskussion wurde von Schülern des Leistungskurses Politische Wissenschaften (PW) des dritten Semesters organisiert. Sie wollten von Politikern erfahren, welche Positionen ihre Parteien zum Thema Flüchtlingspolitik haben. Nächste Schritte, Visionen, aber auch die Rolle der EU sollten zur Sprache kommen.

„Wir wandten uns deshalb an Mitglieder des Abgeordnetenhauses“, sagt Onia Ellinghaus von den Organisatoren. Die Pankower Abgeordneten Rainer-Michael Lehmann (SPD), Stephan Lenz (CDU) und Elke Breitenbach (Die Linke) sowie die Kreuzbergerin Canan Bayran (Bündnis 90/Die Grünen) erklärten sich bereit, den Schülern Rede und Antwort zu stehen.

In der zweistündigen Diskussion, die von den Schülern Sarah-Linette Mayer und Bjarna Meisel geleitet wurde, machten die vier Landespolitiker ihre Positionen deutlich. So konnten sich die Schüler ein umfassendes Bild von der Flüchtlingspolitik der einzelnen Parteien machen. Einig waren sich alle vier Abgeordneten, dass das Chaos, das noch bei der Aufnahme und Registrierung der Flüchtlinge herrscht, schnellstens beendet werden muss. Dort zeige sich, dass die Berliner Verwaltung nicht auf diesen Zustrom vorbereitet war. Dabei habe man bereits 2012 angemahnt, dass sich Berlin auf einen Flüchtlingsstrom vorbereiten müsse, erklärten Elke Breitenbach und Canan Bayran den Schülern.

Stephan Lenz meint hingegen, dass ein Flüchtlingsstrom in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar war. Lenz war auch der einzige auf dem Podium, der eine Begrenzung der Aufnahme von Flüchtlingen forderte. „Irgendwann ist die Aufnahmekapazität erschöpft“, sagte er. Rainer-Michael Lehmann entgegnete: „Anderen Ländern gelingt es, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Mit uns wird es keine Obergrenzen geben. Man kann den Flüchtenden nicht einfach sagen: Wer fünf Minuten zu spät kommt, hat Pech gehabt.“

Dem stimmte auch Elke Breitenbach zu. „Nach Berlin ziehen jedes Jahr Tausende Menschen aus anderen Bundesländern. Die verkraften wir doch auch.“ Und Canan Bayran argumentierte, dass die Flüchtlinge auch eine Chance für Deutschland sind. Deutschland brauche Zuwanderung, um sich stabil weiterentwickeln zu können.

Schüler der siebten bis zwölften Klasse verfolgten die Diskussion der Politiker mit großem Interesse. Für die meisten Schüler war danach klar, dass sie weiter die Flüchtlinge unterstützen, die im Einzugsbereich der Schule eine Unterkunft finden. Deshalb werden unter anderem auch Wintersachen gesammelt, die jetzt dringend gebraucht werden.

PW-Lehrerin Edda Streichardt war von der Veranstaltung begeistert. „Ich bin richtig stolz auf den Kurs und auf das Engagement der Schüler“, sagt sie. BW
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