Tobias Seeliger fotografierte den Alltag der Berliner Feuerwehrleute

Tobias Seeliger kam den Feuerwehrleuten in den vergangenen drei Jahren ganz nah. Er konnte zu Einsätzen mitfahren. (Foto: Tobias Seeliger)
 
Tobias Seeliger tauchte für sein Buch „Firefighters“ in den Alltag von Berliner Feuerwehrleuten ein. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Flammen züngeln in den Himmel. Rauch steigt auf. Ein Dachstuhl brennt. Mit Tatütata brausen die knallroten Feuerwehrautos heran. Sekunden später werden Feuerwehrschläuche ausgerollt. Zeitgleich fährt die Leiter aus. Wasser schießt in hohem Bogen auf die Flammen, bis sie ersticken.

Tobias Seeliger nahm die Arbeit der Berliner Feuerwehrleute lange Zeit so wahr. Der Pressefotograf war oft vor Ort, wenn es irgendwo in der Stadt brannte. Doch dann entschied er sich, hinter die Kulissen zu schauen. „Mich interessierten die Menschen. Ich wollte ihnen sehr nahe kommen, ihren Alltag fotografieren“, sagt Seeliger. Vor drei Jahren sprach er in der Pressestelle der Berliner Feuerwehr vor. Seine Idee: Er wollte ein Buch mit Fotografien zusammenstellen.

Bei der Feuerwehr klopfen immer wieder mal Autoren und Fotografen an die Tür, die solche Ideen haben. Aber in der Regel kommt nie etwas dabei heraus. Doch bei Tobias Seeliger war das anders. Er zog die Sache durch. Vor wenigen Tagen präsentierte er in der Feuerwache Prenzlauer Berg an der Oderberger Straße sein Buch „Firefighters. Der Alltag der Berliner Feuerwehr in Bildern“.

Echtes Vertrauensverhältnis

Vor allem in dieser Feuerwache sowie mit Kameraden aus den hiesigen vier Wachabteilungen entstanden Fotos für diesen Band. „Ich habe anfangs auch Trupps aus anderen Feuerwachen begleitet“, sagt Tobias Seeliger. „Aber um ein echtes Vertrauensverhältnis aufbauen zu können, musste ich viel Zeit mit den Kameraden verbringen. Mal bei einem Einsatz dabei zu sein, reicht da nicht aus.“

„Ich fand es faszinierend, dass Tobias wirklich über drei Jahre lang dranblieb“, sagt Norbert Rehländer. Er leitet seit 2012 die Dienststelle an der Oderberger Straße. 114 Feuerwehrleute sind dort im Einsatz. „Tobias hat einen tollen Draht zur Mannschaft“, schätzt Rehländer ein. „Er hat gesehen, dass unsere Arbeit nicht nur Flammen und Rauch zu tun hat. Etwa 80 Prozent sind Rettungsdienste. Da gibt es auch viel psychische Belastungen. Auch das hat er in beeindruckenden Bildern festgehalten.“

Die Feuerwehrleute sind vom neuen Buch, das Tobias Seeliger in der Eulenspiegel Verlagsgruppe herausbrachte, total begeistert. Denn so nah ist wohl noch nie ein Fotograf an sie herangekommen. Das liegt sicher auch daran, dass Seeliger alle Fotos in Schwarzweiß fotografierte. „Rote Autos, blaue Rundumleuchten, gelbe Flammen: Solche grellen Farben lenken nur ab, wenn man Menschen zeigen will. Deshalb entschloss ich mich, auf bunte Bilder zu verzichten“, erklärt er.

Einblick in die Arbeit

Tobias Seeliger gesteht aber auch, dass er anfangs nicht gedacht hätte, so einen tiefen Einblick in die Arbeit der Feuerwehrleute zu bekommen. So musste er sich rasch daran gewöhnen, dass sich in der Wache alle duzen. Er war sofort der Tobi oder der Knipser. Bei ersten Einsätzen schaute man noch, wo der "Knipser" gerade war. Schon bald gehörte er aber dazu. Es gelang ihm, auf den Auslöser zu drücken, wenn ihn keiner mehr bemerkte. Dabei entstanden Fotos, die das echte Leben der Feuerwehrleute zeigen.

Besonders beeindruckte den Fotografen, wie die Feuerwehrleute mit der alltäglichen psychischen Belastung umgehen. „Wenn der Alarm angeht, schießt bei jedem der Adrenalinspiegel hoch“, berichtet er. „Man weiß nie, was einen am Einsatzort erwartet. Es kommt erstens anders, und zweitens als man denkt. Das trifft beispielsweise auch auf Türen in brennenden Häusern zu. Man kann nicht hindurchschauen. Was passiert, wenn man sie öffnet? Da gilt der Spruch: Hoffe auf das Beste, rechne mit dem Schlimmsten.“

"Ungeheuer großen Respekt"

Der Prenzlauer Berger Fotograf verbrachte innerhalb der drei Jahre, die er für das Buch fotografierte, Hunderte Stunden mit Feuerwehrleuten. „Immer wenn ich Zeit hatte, konnte ich vorbeikommen. Die Wache ist ja immer besetzt“, sagt er. „An manchen Tagen passierte nicht viel. An anderen war Hochbetrieb. Eines habe ich auf jeden Fall gelernt: ungeheuer großen Respekt vor der Arbeit der Berliner Feuerwehrleute.“

Als Dankeschön für die Unterstützung übergab Tobias Seeliger den Feuerwehrleuten zur Buchpräsentation zwei Geschenke: eine riesige Tafel mit Bildern aus den drei Jahren sowie die Kamera, mit der er alle Bilder schoss. BW

Das 192-seitige Fotobuch „Firefighters“, das zweisprachig in Deutsch und Englisch erschien, ist ab sofort im Buchhandel für 19,99 Euro erhältlich (ISBN: 978-3-360-01306-4).
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Bodo Krause aus Zehlendorf | 13.04.2016 | 18:20  
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