Erinnerung an die ermordeten Kinder und Betreuer

Walter Frankenstein ist der letzte Überlebende. Er bedankte sich bei Kulturstaatssekretär Tim Renner, dass der Senat das Denkmal ermöglichte. (Foto: BW)
 
Walter Frankenstein bedankte sich bei der Künstlerin und beim Senat dafür. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. An die Geschichte der jüdischen Baruch-Auerbach’sche Waisen-Erziehungsanstalt erinnert jetzt ein Kunstwerk. Künstlerin Susanne Ahner hat die frühere Vorgartenmauer des Waisenhauses zu einem Mahnmal umgestaltet.

Die Künstlerin ließ Namen und Alter von Kindern, Jugendlichen und Betreuern, die ermordet wurden, in das historische Mauerwerk gravieren. Vor dem Mauerrelikt ist außerdem eine Informationstafel aufgestellt worden. Um den vor der Mauer stehenden Baum wurde des Weiteren eine Rundbank installiert. So entstand ein Ort der Ruhe und Besinnung.

Dieses Mahnmal ist das Ergebnis einen Wettbewerbs, den die Senatskulturverwaltung im vergangenen Jahr ausgelobt hatte. Dessen Ziel war es, einen Entwurf für einen Erinnerungsort im Hof der Schönhauser Allee 162 zu finden. 60 000 Euro standen dafür zur Verfügung. Die Jury unter Vorsitz der Künstlerin Dr. Karla Sachse und mit Beteiligung des letzten noch lebenden Zöglings aus dem einstigen Waisenhaus, Walter Frankenstein, entschied sich für den Entwurf der Berliner Künstlerin Susanne Ahner. Auf das neue Mahnmal weist außerdem eine Stele hin, die sich am Straßenrand vor der Schönhauser Allee 162 befindet. Vor dieser liegt als Blickfang für Passanten ein steinerner Ball mit stattlichen 35 Kilogramm Gewicht. Mit ihm soll darauf hingewiesen werden, dass im Hof früher Kinder spielten und lachten.

Ein erstes Denkzeichen war übrigens im Jahre 2000 auf der Vorgartenmauer eingeweiht worden. In einem Kunstprojekt unter Leitung von Dr. Karla Sachse hatten Schüler der Kurt-Schwitters-Oberschule aus Keramik 18 Spielzeuge, Kleidungsstücke und Koffer angefertigt. Diese wurden auf die Vorgartenmauer so abgelegt, als wären sie dort vergessen worden. Dazu wurde eine Texttafel angebracht, die Auskunft über das Baruch-Auerbach’sche Waisenhaus und das Schicksal seiner einstigen Bewohner gab. Die Plastiken waren aber bereits nach wenigen Wochen zerstört worden. Deshalb fertigten die Schüler ein Jahr später Duplikate an.

Diese werden aber nur zu besonderen Anlässen auf der Mauer aufgestellt. Sie befinden sich sonst in Verwahrung des Pankower Museums. 2011 wurde am Haus außerdem eine Berliner Gedenktafel eingeweiht, die an die Geschichte der Erziehungsanstalt erinnert.

Das jüdische Waisenhaus in der Schönhauser Allee 162 bestand seit 1897. Seine Geschichte endete 1942. 137 Kinder und Jugendliche sowie zehn Betreuer wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet oder in der Nähe von Riga erschossen. 1943 ist das Waisenhaus nach einem Bombenangriff stark zerstört worden. Nach dem Krieg wurde es, bis auf einen Mauerrest, abgerissen.

Eingeweiht wurde das nun entstandene Kunstwerk von Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner. Er freute sich ganz besonders, als besonderen Gast den eigens aus Stockholm angereisten Walter Frankenstein begrüßen zu können. Frankenstein, der vergangene Woche 90 Jahre alt wurde, erhält wegen seiner Verdienste um die jüdische Erinnerungskultur in Berlin in den nächsten Tagen von Tim Renner auch das Bundesverdienstkreuz überreicht. In seiner kurzen Rede sagte er: "Ich freue mich einfach nur, dass wir endlich dieses wunderbare Kunstwerk einweihen können, das an das Schicksal der Kinder und Betreuer erinnert." Ihr Kunstwerk nannte Susanne Ahner "Ich war hier".


Bernd Wähner / BW
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