Typisch Osten: Neue Ausstellung widmet sich dem Design in der DDR

Der Designer Hans-Dieter Pankewirt entwarf dieses Kinderfahrzeug Mops 1989. (Foto: Museum/ Johannes Kramer)
Berlin: Kulturbrauerei |

Prenzlauer Berg. „Alles nach Plan?“ heißt eine informative Ausstellung im Museum Alltag in der DDR in der Kulturbrauerei. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte der Formgestaltung in der DDR bis 1990.

Viele Alltagsgegenstände in der DDR hatten eine unverkennbare Form. Man braucht nur an Fahrzeuge wie den Trabi oder die Simson-Mopeds denken. Mitropa-Geschirr, AKA-Haushaltsgeräte oder Radiorekorder von Stern-Radio – alle sind noch heute an ihrem typischen Design zu erkennen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erschienen Sozialismus und Planwirtschaft in Ostdeutschland vielen Gestaltern als beste Voraussetzung, eine industrielle Formgestaltung zu begründen. Sie wollten funktionale Gebrauchsgegenstände entwerfen, die einer schlichten Formensprache folgen. Diese Traditionslinien des Bauhauses lehnte die SED aber ab 1951 mit ihrer Kampagne gegen den Formalismus als „westlich-dekadent“ ab. Die Machthaber forderten von den Gestaltern, sich an Volkskunst, realistischen Motiven sowie klassischen Stilen früherer Jahrhunderte zu orientieren.

Im Jahre 1972 wurde in der DDR dann das Amt für industrielle Formgestaltung (AiF) gegründet. Diese staatliche Behörde diente fortan als lenkendes und gelenktes Scharnier zwischen Staat und Betrieben. Es sollte alle Aspekte der Formgestaltung in der DDR steuern und kontrollieren. Der Einfluss der SED auf Entwürfe und Umsetzung war damit allgegenwärtig.

Einstige Gestalter, die in Betrieben oder freiberuflich arbeiteten, berichten in der neuen Ausstellung im Museum in der Knaackstraße 97 über ihren Arbeitsalltag zwischen den eigenen hohen Ansprüchen, innerbetrieblichen Problemen und politischem Druck. In der Ausstellung sind vor allem Objekte aus dem Bestand der Sammlung des Amts für industrielle Formgestaltung zu sehen. In dieser wurden besonders gute oder auch schlechte Beispiele der Formgestaltung zusammenzutragen.

Nach 1990 existierte die Sammlung unter wechselnden Zuständigkeiten weiter. Sie ging 2005 an die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland über. Die Stiftung sicherte und erschloss die 160 000 Gegenstände, Fotografien, Dokumente und Bücher. In einer Sonderausstellung zeigt sie nun bis zum 19. März einen repräsentativen Überblick. BW

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
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