Aus einem Mietshaus wurde das Hotel Kastanienhof

Uwe Hauptmann im gerade neu entstandenen Café. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Am 9. November 1989 wurde die Mauer geöffnet. Seitdem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant. In den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen in dieser Stadt. Die Berliner Woche stellt in den nächsten Ausgaben einige dieser Menschen vor.

Dass er einmal Hotelier werden würde, hätte Uwe Hauptmann am 9. November 1989 nicht gedacht. "Ich war von Beruf Mechaniker und gerade dabei, meinen Meister im Maschinenbau zu machen", erinnert er sich. Als sich abzeichnete, dass die DDR der Bundesrepublik beitreten wird, war ihm aber klar, dass er seinen Job verlieren wird. Er arbeitete nämlich als Mechaniker bei der Post auf dem Fernsehgelände in Adlershof. Gemeinsam mit seinem Vater Otto Hauptmann dachte er über die Zukunft nach. Und so entstand das Projekt "Hotel Kastanienhof".

Die Voraussetzungen dafür waren gar nicht mal schlecht. Vater Otto hatte viele Kontakte in die Tourismusbranche. Er arbeitete vor dem Mauerfall in der Berlin-Information, dem Touristikunternehmen der DDR, später in der Handwerkskammer. Eine noch wichtigere Voraussetzung: Der Familie gehörte das Haus Kastanienallee 65/66. Es wurde 1865 gebaut. Otto Hauptmanns Großvater, der Fleischermeister Boleslaus Schulz, erwarb das Haus 1925 als Altersvorsorge. Seitdem ist es in Familienbesitz.

"Zu DDR-Zeiten wurde das Haus allerdings ziemlich heruntergewirtschaftet. Bei durchschnittlich 25 DDR-Mark Miete pro Wohnung blieb nichts übrig, um zu investieren", sagt Uwe Hauptmann. Weil aber noch zu DDR-Zeiten für Anfang der 90er-Jahre eine Sanierung avisiert war, standen bereits viele Wohnungen leer. Im Ostteil der Stadt herrschte 1990 zwar eine gewisse Gründerzeitstimmung. Aber dass die Hauptmanns das marode Gebäude umbauen wollten, hielten viele für eine verrückte Idee. Auch die Banken waren mit Krediten zurückhaltend. Uwe und sein Vater begannen aus eigener Kraft mit dem Umbau. "Während sich mein Vater weiter um die Finanzierung kümmerte, habe ich eigenhändig 50 Kachelöfen abgerissen, alte Gasanlagen abgebaut und Tapeten von den Wänden gerissen. Das spüre ich teilweise heute noch im Kreuz", sagt er lächelnd.

Im Frühjahr 1992 eröffneten die Hauptmanns ihre Pension mit sechs Zimmern. Um die ersten Gäste kümmerten sich Vater und Sohn abwechselnd. Uwe Hauptmann volontierte zudem in "West-Hotels". "Ich habe da alles machen müssen: von der Rezeption über den Einkauf, die Kassenbuch-Führung bis hin zum Zimmermachen", erinnert er sich. Nach dieser Kompaktausbildung konnte es mit dem Hotelbetrieb so richtig losgehen. "Wir erweiterten zunächst auf 21, dann auf 29 Zimmer. Vor 22 Jahren war offizielle Eröffnung. Inzwischen haben wir 39 Gästezimmer - und wir hatten seit der Eröffnung nicht einen einzigen Tag geschlossen.", so Hauptmann. "Außerdem beschäftigen wir inzwischen 14 feste Mitarbeiter."

Mit dem Aus- und Umbauen wurde im Hotel nie aufgehört. In den vergangenen Monaten wurde gerade im Keller ein Café eingebaut, das direkt von der Straße aus zugänglich ist. Darüber entstand auch mit Blick zur Kastanienallee ein Frühstücksraum mit Internet-Anschlüssen. Ausgebaut wird außerdem das zweite Dachgeschoss. Dort entstehen weitere Zimmer.

Vater Otto Hauptmann, mittlerweile 77, hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Dass Uwe Hauptmann weiter ins Hotel investierte, ist seinem Sohn zu verdanken. Der 26-jährige Maximilian Hauptmann absolvierte im Steigenberger-Hotel eine Ausbildung. Er ist inzwischen in den Kastanienhof eingestiegen. Damit steht ein Nachfolger bereit. "Der Mauerfall war für uns also ein Segen", sagt der heute 51-jährige Uwe Hauptmann. "Wir hatten schon zu DDR-Zeiten versucht, uns selbstständig zu machen. Aber so wäre es in der DDR nie möglich gewesen."


Bernd Wähner / BW
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