Die ehrenamtliche Arbeit im Museum weckt bei Christa Seeger Kindheitserinnerungen

Christa Seeger in der Küche der Museumswohnung. Alles, was es hier zu sehen gibt, war vor 100 Jahren tatsächlich in Betrieb. (Foto: Bernd Wähner)
 
Alles was hier zu sehen ist, war tatsächlich in Betrieb. Christa Seeger in der Küche der Museumswohnung. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Herbstlaube |

Prenzlauer Berg. Christa Seeger ist eine echte Berliner Pflanze. Prenzlauer Berg ist ihre Heimat. Hier ist in den zurückliegenden Jahren viel modernisiert worden. Vieles veränderte sich. Wie man früher im Kiez lebte, zeigt sie Interessierten in der Museumsausstellung „Zimmermeister Brunzel baut ein Mietshaus – Bauen und Wohnen in Prenzlauer Berg um 1900“.

Man merkt, dass sie sich in der Ausstellung zu Hause fühlt. „Das meiste von dem, was hier zu sehen ist, kenne ich aus eigenem Erleben“, sagt Christa Seeger. Da ist zum Beispiel die Kochmaschine in der Küche, befeuert mit Holz und Kohle. „Kochmaschine ist ein typischer Berliner Begriff“, sagt die 71-Jährige.

Hier spielte sich das Leben ab

In der Küche, so erzählt sie, spielte sich auch Anfang des vergangenen Jahrhunderts fast das ganze Leben ab. Die gute Stube wurde hingegen benutzt, wenn Besuch kam. Im engen Schlafzimmer nächtigte die ganze Familie. In der Regel schliefen gleich mehrere Kinder in einem Bett. „Das habe ich noch selbst bei einer kinderreichen Familie in der Nachbarschaft erlebt. Da mussten drei ausgewachsene Mädchen in einem Bett schlafen“, so Christa Seeger.

Die Prenzlauer Bergerin kann zu den einzelnen Ausstellungsstücken viele Geschichten erzählen. Sie lebte viele Jahre in der Lieselotte-Herrmann-Straße im Bötzowviertel. Als das Haus nach der Wende saniert wurde, musste sie raus. An der Dunckerstraße fand sie ein neues Zuhause. In diesem Kiez wurde sie Stammgast in der Begegnungsstätte „Herbstlaube“. Diese betreibt die 56 Quadratmeter große Museumswohnung im zweiten Stock an der Dunckerstraße 77. „In dieser Wohnung lebten früher bis zu 17 Menschen“, so Christa Seeger. Anderen Menschen einen Einblick in das Leben in ihrer Heimatstadt Berlin zu geben, das reizte die Seniorin. Deshalb entschloss sie sich, als Ehrenamtliche Öffnungszeiten der Ausstellung zu übernehmen. Sie erklärt gerne Jüngeren Dinge, die die noch nie gesehen haben. Dazu zählen Fleischwolf oder Brennschere. „Mich fasziniert an dieser Ausstellung, dass alles, was man hier sieht, vor 100 Jahren tatsächlich in Gebrauch war“, sagt Christa Seeger.

"Berliner Stubenfliege"

Sie selbst bezeichnet sich scherzhaft als „Berliner Stubenfliege“. „Ich war in der Regel nur in meinem Wohn- und Arbeitskiez unterwegs“, erklärt sie. Morgens ging es zur Arbeit in die Elfe-Schokoladenfabrik. Nach Feierabend wieder in die Wohnung zur Familie und zur Hausarbeit. Nicht zuletzt deshalb fühlt sich nur hier heimisch. Für Heimatgefühle sorgen bei ihr aber auch typische Orte wie die Schönhauser Allee, der Arnswalder Platz und der Park am Weißen See. „Das sind meine Lieblingsecken im Bezirk“, sagt sie

Ihre Verbundenheit mit Berlin kommt übrigens auch in einem Buch zum Ausdruck, das sie gestaltete: „Zille und sein Milieu“. „Das habe ich als Ergänzung zur Ausstellung erarbeitet“, erklärt sie. Es enthält Bilder sowie Milieuschilderungen und ist in der Ausstellung erhältlich. BW

Besichtigt werden kann die Ausstellung montags, dienstags, donnerstags, freitags und sonnabends von 11 bis 16.30 Uhr. Führungstermine sind unter  445 23 21 zu vereinbaren. Weitere Infos auf www.ausstellung-dunckerstraße.de.
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