Karl-Heinz Gewald war Umweltbeauftragter von Prenzlauer Berg

Karl-Heinz Gewald leitete fünf Jahre lang das Umweltamt. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Seitdem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant, in den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen. Mit einem Artikel über Karl-Heinz Gewald beendet die Berliner Woche ihre kleine Porträtserie zum Mauerfall.

Karl-Heinz Gewald ist Fleischermeister. Kräftig gebaut, fachlich versiert und mit unglaublichem Erzähltalent. Dass er mittlerweile schon 85 Jahre alt ist, merkt man ihm nicht an. Das wird einem erst so richtig bewusst, wenn er von seiner Kindheit und Jugend in Prenzlauer Berg erzählt.

Sein Vater war ebenfalls Fleischermeister, engagierter Sozialdemokrat und hatte mit den Nazis nichts am Hut. Als er zwangsweise in den Krieg ziehen musste, führte der junge Karl-Heinz die Fleischerei an der Naugarder Straße mit seiner Mutter weiter. Seine Meisterprüfung bestand Gewald 1951. Als in der noch jungen DDR die privaten Handwerksbetriebe immer mehr unter Druck gesetzt wurden, entschied er sich, zur Handelsorganisation HO zu wechseln. Dort qualifizierte er sich weiter, absolvierte ein Studium als Binnenhandelsökonom. Danach übertrug man ihm die Leitung der renommierten HO-Fleischerei in der Dunckerstraße 60.

Bei einem Urlaub auf der Krim erlebte er im Mai 1989 seine erste große Demonstration. Da spürte man schon was von Glasnost und Perestroika, meint er. Wieder in der DDR zurück war ihm klar: Auch in unserem Land muss und wird sich etwas ändern.

Dann hörte er, dass sich in Schwandte die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) gegründet hatte. "Mein Vater war in der SPD, also entschied ich mich auch, in diese neu gegründete Partei einzutreten", sagt er. Gemeinsam mit dem Ehepaar Anke und Peter Reuter baute er eine SDP-Basisgruppe in seinem Kiez auf. Den Mauerfall am 9. November 1989 bekam er gar nicht so richtig mit. Er hatte viel zu tun.

Als die Kommunalwahlen 1990 anstanden, war Karl-Heinz Gewald bereits 60 Jahre alt. Weil es noch nicht so viele SPD-Mitglieder in Prenzlauer Berg gab, wurde jeder für die Listenplätze gebraucht. "Ich konnte mir aussuchen, ob ich für das Abgeordnetenhaus oder für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) kandidieren möchte", erinnert sich Gewald und muss lachen. "Das wäre heute undenkbar."

Er entschied sich für die BVV, war dann deren erster Alterspräsident. Doch dabei blieb es nicht. Als die SPD und das Bündnis Prenzlauer Berg, die seinerzeit im Bezirk eine Koalition eingingen, alle Stadtratsposten verteilt hatten, fiel ihnen auf, dass noch jemand fehlt für das Umweltressort. "Meine Partei fragte mich, ob ich das machen könnte", erinnert sich Gewald.

Als er seinen Dienst im Umweltamt antrat, war er allerdings überrascht. Da gab es nur eine Mitarbeiterin, die zu DDR-Zeiten in diesem Bereich tätig war. "Ihre Aufgabe war es, regelmäßig die Notwasserbrunnen zu kontrollieren", berichtet Gewald. "Zu DDR Zeiten spielte das Thema Umwelt keine große Rolle. Nach der Wende war es plötzlich aber ein ganz wichtiges Thema." Gewald stand nun vor der Herausforderung, ein neues Umweltamt aufzubauen. Er stellte neun Leute ein, die sich fortan um Lärmschutz, Boden- und Wasserschutz, Abfallentsorgung und um die Einhaltung von Umweltschutzvorschriften kümmerten. Fünf Jahre leitete er das Umweltamt, ehe sich Karl-Heinz Gewald in den Ruhestand verabschiedete. Doch er legte die Hände nicht in den Schoß, war stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Prenzlauer Berg, und noch heute ist er sehr rührig in der AG 60+ der SPD.


Bernd Wähner / BW
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