Klassentreffen nach 50 Jahren im alten Kiez

Klassentreffen nach 50 Jahren im alten Kiez: Ehemalige Schüler der 1a des Schuljahrgangs 1954 der Polytechnische Oberschule Gleimstraße 49. (Foto: Kahle)

Prenzlauer Berg. Als am 1. September 1954 Lehrerin Anna Müller die Klasse 1a in der 7. Oberschule Prenzlauer Berg, Gleimstraße 49, in Empfang nahm, hatte die UdSSR gerade der DDR formal die volle Souveränität gewährt.

Die Schüler von damals, alle Jahrgang 1947/1948 und heute längst Rentner, treffen sich noch heute. Dass sie damals an der Grenze zu Westberlin ein Stück Weltgeschichte hautnah miterlebten, haben sie zunächst gar nicht registriert. "Wir gingen durch den Gleimtunnel ins Freibad in den Humboldthain oder ins Kino. Viele unserer Eltern arbeiteten damals noch im Westen, das war normal", erinnert sich Außenhandelskauffrau Barbara Friebel, die einzige die noch im Kiez, in der Kuglerstraße wohnt.

Von weit her kommt Urmachermeister Konrad Moscardini, der heute in München lebt. Sekretärin Brigitte Philipp hat es an die Mecklenburgische Seenplatte verschlagen, ihre Schwester, Chefsekretärin Renate Hoffmann lebt in Hellersdorf. Hotel- und Restaurantfachfrau Gabriele Strietzel zog es nach Schleswig-Holstein. Betriebswirtin Käthe Radom ist Stadtverordnete in Fürstenwalde. Sachbearbeiterin Ingrid Fröhlich lebt in Marzahn, und Wirtschaftsleiterin Brigitte Schröder in Hellersdorf, der EDV-Techniker Gerd Limprecht in Zepernick. "Aus allen ist also etwas Vernünftiges geworden", konstatiert Brigitte Schröder.

Neun Aufrechte aus der damaligen Klasse 1a waren es, die sich kürzlich im Café und Restaurant "Butter", Pappelallee 73, trafen. "Zu unserer Schulzeit war das noch ein Milchladen", erinnert sich Brigitte Philipp. "Eigentlich hatten noch weitere zehn Klassenkameraden zugesagt, doch manche wurden krank oder es kam etwas dazwischen", bedauert Barbara Friebel.

Den Mauerbau am 13. August 1961 haben alle noch in lebhafter Erinnerung. Zum Teil wurden sie davon in Westberlin überrascht. Die meisten dachten, das dauert nicht lange. Einige Eltern haben vorsichtshalber die Speisekammern aufgefüllt. "Wir kamen uns plötzlich vor wie im Affenkäfig. Rundherum Stacheldraht, und die Touris in Westberlin haben uns von ihren Besucherplattformen angegafft", erinnert sich Brigitte Philipp.

Doch die schönsten Kindheits- und Jugenderinnerungen der ehemaligen Klassenkameraden liegen weit weg von Mauer und Stacheldraht. Das waren die Dampferfahrt zur Woltersdorfer Schleuse, Camping an der Ostsee und Ernteeinsatz, die erste Liebe, das Praktikum in Dierhagen und schließlich die Ausgabe der Abschlusszeugnisse unter Meeresrauschen.


Michael Kahle / m.k.
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