Vom Altberliner Mietshaus zum Drei-Sterne-Hotel „Kastanienhof“

Drei Generationen im Kastanienhof: Otto Hauptmann (Mitte), Sohn Uwe Hauptmann (rechts) und Enkel Maximilian Hauptmann. (Foto: Bernd Wähner)
 
Das Hotel Kastanienhof gibt es seit nunmehr 25 Jahre. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Kastanienhof |

Prenzlauer Berg. Das Jahr 2017 ist für das Hotel Kastanienhof ein Jubiläumsjahr. Zum einen kann Senior-Chef Otto Hauptmann auf 80 Lebensjahre zurückblicken. Zum anderen feiert das Hotel sein 25-jähriges Bestehen und die Hauptmanns selbst auch noch 95 Jahre Familiengeschichte an der Kastanienallee.

Den Kastanienhof gründete der Senior gemeinsam mit seinem Sohn Uwe. Das Haus gehörte schon seinen Vorfahren. Es wurde 1865 gebaut. Otto Hauptmanns Großvater, der Fleischermeister Boleslaus Schulz erwarb die Kastanienallee 65/66 vor 95 Jahren als Altersvorsorge in unruhigen Zeiten.

Zu DDR-Zeiten wurde das Haus ziemlich heruntergewirtschaftet. Es gab schlicht keine Mittel und Materialien für Investitionen. Anfang der 90er-Jahre entschieden sich Vater und Sohn, aus dem heruntergekommenen Wohnhaus auf der Grenze zwischen Prenzlauer Berg und Mitte eine Pension zu machen. Die neuen Möglichkeiten im wiedervereinten Berlin motivierten sie.

Otto Hauptmann war seinerzeit bei der Handwerkskammer beschäftigt, sein Sohn hatte gerade seine Meisterschule im allgemeinen Maschinenbau beendet. Im Ostteil der Stadt herrschte Gründerzeitstimmung. Um Erfahrungen zu sammeln, arbeitete Uwe Hauptmann zunächst als Volontär in einer West-Berliner Pension. Sein Vater kümmerte sich um den ganzen Behördenkram. „Mit viel Eigenleistung bauten wir die ersten sechs Zimmer aus. Im Frühjahr 1992 eröffneten wir dann unsere Familienpension“, erinnert sich Uwe Hauptmann.

Während sich die ersten Gäste im Kastanienhof heimisch fühlten, bauten die Hauptmanns weiter aus. „Heute haben wir 44 Zimmer“, sagt Uwe Hauptmann stolz. Außerdem eröffneten sie im Haus eine Alt-Berliner Schankwirtschaft mit Namen „Ausspanne“ und investierten in ein Blockheizkraftwerk. Inzwischen hat das Hotel 18 Beschäftigte, alles fest angestellte Mitarbeiter, betont Uwe Hauptmann.

2017 feiert der Kastanienhof nicht nur Jubiläen, es gibt auch personelle Veränderungen. Otto Hauptmann vollendet mit seinem 80. Geburtstag zugleich sein aktives Arbeitsleben. Enkel Maximilian, der bereits seit einigen Jahren im Hotel Führungsaufgaben hat, rückt für ihn in die Geschäftsführung auf.

Übrigens: Nicht nur in ihrem Familienbetrieb engagieren sich die Hauptmanns, sie sind auch ehrenamtlich in Vereinen und Gremien tätig. Otto Hauptmann zählte 1993 zum Beispiel zu den Gründern des Vereins Pro Prenzlauer Berg. Diese Verbundenheit mit dem Kiez kommt nicht von ungefähr. Der Senior kam nicht weit entfernt von der Kastanienallee zur Welt. Er studierte später an der Fachschule für Grafik und Gestaltung in Schöneweide. Danach folgte ein Staatswissenschaftsstudium. Schließlich landete er in verantwortungsvoller Position in der Berlin-Information, dem Touristikunternehmen der DDR-Hauptstadt.

Sein Leben lang interessierte sich Otto Hauptmann, schon von Berufs wegen, für Berliner Geschichte. Dieses Interesse färbte auf die Familie ab. An den Wänden des Hotels hängen Dutzende historischer Fotos. In Vitrinen finden sich Objekte von Gewerbebetrieben, die es im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts im Kiez gab. Das alles hat die Familie im Laufe der vergangenen 25 Jahren zusammengetragen. Die Hauptmanns sind quasi zu Kiez-Historikern geworden. BW
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