Werkstatt und Galerie sind ein Treffpunkt für alle Kiezbewohner

Konzentriert legt Eberhard Hartwig ein neues Blatt in die Druckerpresse. (Foto: Bernd Wähner)
 
Auch beim Sommerfest „Stierisch gut“ ist er immer dabei. Eberhard Hartwig macht Druck-Angebote für Kinder. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Er ist einer der bekanntesten Künstler im Kiez: Eberhard Hartwig. Im zweiten Teil der Serie „Unser Kiez – Rund um die Bötzowstraße“ erzählt er vom Arbeiten und Leben in einem sich verändernden Wohngebiet.

Er trägt einen blauen Kittel. An etlichen Steller ist der eingeschwärzt. Wenn er sich über den Tisch der Druckerpresse beugt, fällt ihm das wuschige Haar ins Gesicht. Er zieht ein wenig die Augenbrauen hinter seiner Brille hoch, prüft, ob das Blatt korrekt liegt. Dann setzt er die Presse in Bewegung. Ein neues Kunstwerk entsteht. Nach dem Druckvorgang: Ein prüfender Blick. Druckgrafiker Eberhard Hartwig ist zufrieden.

Man merkt dem Künstler an, dass er Vollprofi ist. Nichts wird dem Zufall überlassen. Kein Wunder: Der Prenzlberger hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Von Hause aus ist der 58-jährige Druckformenhersteller und Schriftsetzer. Aber ihn faszinierte schon immer das Kreative am Drucken. Deshalb studierte Hartwig an der Universität der Künste. Danach gründete er mit einer Künstlerkollegin ein Druckwerkstatt-Atelier. Später führte er es solo weiter. Viele Jahre war er mit seiner Werkstatt zunächst im Kiez um die Winsstraße zu hause. „Aber ich richtete schon immer meinen Blick ins Bötzowviertel“, gesteht der Künstler.

„Ich wohne bereits seit 1977 in diesem Bereich von Prenzlauer Berg. Schon zu DDR-Zeiten ging ich meist hier einkaufen“, erinnert sich Hartwig. „In der Hufelandstraße gab es zum Beispiel einen tollen Fischladen. Das war der einzige weit und breit. Und dann gab es noch den Laden, in dem es das leckere russische Konfekt gab. Für mich war auch der Glaser wichtig, den es noch heute in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 2 gibt.“

Gleich nebenan, in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 3, fand Eberhard Hartwig auch Raum für sein heutiges Druckgraphik-Atelier. „Das war früher das Hauptatelier von Prof. Christine Perthen“, erklärt der Künstler. Die Malerin und Zeichnerin war langjährige Professorin an der Kunsthochschule Weißensee. Als sie 2004 verstarb, wünschten sich die Hauseigentümer einen Künstler als Nachmieter. „Ich stellte mich vor, erzählte, was ich mache. Das war offenbar mit dem kompatibel, was sich die Eigentümer wünschten. So zog ich mit meiner Werkstatt ins Bötzowviertel“, sagt Hartwig.

Wenn fachkundige Künstler das Atelier betreten, schlägt ihr Herz gleich höher. Hier steht alles, was man für das Herstellen von Druckgrafiken braucht: Eine Radierpresse, eine Hochdruckpresse und ein Boston-Tiegel zum Beispiel. Aber das wohl interessanteste ist die fast 120 Jahre alte Lithographie-Presse. Auf der kann der Steindruck so stattfinden, wie ihn einst Alois Senefelder entwickelte.

Eberhard Hartwig nutzt das Druckgraphikatelier aber nicht nur als Arbeitsraum. Es ist zugleich Galerie. Alle paar Wochen eröffnet er eine neue Ausstellung mit frischen Arbeiten von Kollegen. Zur Vernissage ist jedermann willkommen. Alle zwölf Monate wirft er dann mit einer Gemeinschaftsausstellung einen Blick zurück auf das vergangene Kunst-Jahr. Den inzwischen fünfzehnten Jahresrückblick mit Lithographien, Monotypien, Prägedrucken und Radierungen von elf Künstlern zeigt Hartwig noch bis zum 26. Januar. Die Ausstellungen in Hartwigs Atelier sind ebenso gut besucht, wie seine Kurse und Workshops. „In den Kiez ist in den vergangenen Jahren ein sehr kunstinteressiertes Publikum gezogen“, schätzt Hartwig ein. „Mein Eindruck ist, dass sich die neu hergezogenen gut mit den Alteingesessenen durchmischt haben. Ich habe hier inzwischen nicht nur Menschen aus allen Teilen Deutschlands kennengelernt, sondern auch aus allen Teilen Europas.

Dass es im Kiez ein Zusammengehörigkeitsgefühl gibt, merkt Hartwig auch, wenn er beim Kiez-Sommerfest „Stierisch gut“ mitmacht. „Alle, die einen Stand auf dem Fest aufbauen, unterstützen sich gegenseitig“, sagt er.

Die nächste Ausstellung im Druckgraphik-Atelier wird übrigens am 13. Februar von 17 bis 20 Uhr eröffnet. Dann präsentiert Hartwig unter dem Motto „kaltgepresst“ Arbeiten der Malerin und Graphikerin Sophie Natuschke. Informationen: www.druckgraphik-atelier.de/. BW

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