Bei Bundestagswahl tritt der Politiker nicht mehr an

Wolfgang Thierse Mitte der 90er-Jahre am Kollwitzplatz. Dort wohnt er seit vielen Jahren. (Foto: Archiv BW)

Prenzlauer Berg. Für einige ist er "die Stimme des Ostens" im Deutschen Bundestag: Wolfgang Thierse (SPD). Seit der deutschen Einheit sitzt der im Parlament. Er war dessen Präsident und ist in der aktuellen Legislaturperiode Bundestagsvizepräsident. Doch im kommenden Jahr soll Schluss sein.

In einem Brief an den Kreisvorsitzenden der SPD Berlin-Nord-Ost erklärt Wolfgang Thierse: "Ich möchte Dir als Kreisvorsitzendem mitteilen, dass ich mich zur nächsten Bundestagswahl nicht wieder um eine Kandidatur bemühen werde." Schon im folgenden Satz lässt Thierse aber erkennen, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist. "Das tue ich ungern, denn ich bin gern, ja mit Leidenschaft Parlamentarier - im kommenden Herbst werde ich es 24 Jahre gewesen sein", schreibt er.Dass sich Thierse zum Rückzug aus dem Bundestag entschloss, liegt vor allem wohl auch daran, dass der SPD-Nachwuchs bereits längere Zeit mit den Hufen scharrte. Schon lange sprechen die Pankower Genossen darüber, dass der Biologe Klaus Mindrup sich um Thierses Nachfolge im Bundestag bemühen werde. Mindrup, 48 Jahre alt, war lange Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD in der Pankower Bezirksverordnetenversammlung. Er kandidierte zwar bereits für das Abgeordnetenhaus, aber ohne Erfolg. Anfang August gab er in einem Brief bekannt, dass er sich nun um die Bundestagskandidatur bemühen werde. Klaus Mindrup ist der Vorsitzende der mitgliederstärksten Abteilung der SPD in Pankow, der Abteilung Kollwitzplatz/Winskiez/Kastanienallee.

Kurz nachdem Wolfgang Thierse seine Entscheidung über den Rückzug aus dem Bundestags bekannt gegeben hatte, erklärte auch Severin Höhmann seine Kandidatur als SPD-Kandidat für den Pankower Bundestagswahlkreis. Er tat das per Videobotschaft im Internet. Der 40-Jährige arbeitete viele Jahre in Thierses Wahlkreisbüro. Dieser ermunterte ihn auch, ins Rennen zu gehen.

Bestärkt durch Gespräche mit zahlreichen Pankower SPD-Mitgliedern erklärte am Abend des 3. September als dritter Kandidat Roland Schröder, dass er zur nächsten Bundestagswahl kandidieren möchte. Der 43-jährige Ingenieur ist Gesellschafter und Geschäftsführer der LPG Landesweiten Planungsgesellschaft Berlin an der Schönhauser Allee. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in ehrenamtlichen politischen Funktionen, war unter anderem stellvertretender SPD-Vorsitzender in der Pankower BVV. Derzeit ist Roland Schröder Vorsitzender des BVV-Ausschusses für Stadtentwicklung und Grünanlagen.

Möglich sind nun natürlich noch weitere Kandidaturen. Doch wer in Thierses Fußstapfen treten will, braucht auf jeden Fall viel Courage. Denn mit Thierse verlässt im Herbst nächsten Jahres ein Mann die politische Bühne, der Geschichte mit geschrieben hat.


Bernd Wähner / BW
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