Homer-Schüler demonstrieren für Griechisch-Unterricht

Im Amphitheater der Homer-Grundschule: Schüler beim Kopfstand für den Erhalt des griechisch-deutschen Zuges. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Unter dem Motto "Wir stehen Kopf für mehr Europa im Kiez" veranstalteten Schüler, Eltern und Lehrer kürzlich eine ganz besondere Aktion für die Erhaltung des griechischen Zuges an der Homer-Grundschule.

Im Amphitheater auf dem Schulhof in der Pasteurstraße 10/12 machten Kinder, unterstützt von Mitschülern und Eltern, einen Handstand oder einen Kopfstand, um für den Erhalt des griechischen Zuges an der Schule zu demonstrieren. Die Senatsschulverwaltung entschied nämlich, diesen Zug auslaufen zu lassen. Ab kommendem Schuljahr soll es keine neue bilinguale griechisch-deutsche Klasse mehr an der Homer-Grundschule geben.

Die Homer-Grundschule ist mit ihrem griechisch-deutschem Zug Bestandteil der Staatlichen Europaschulen Berlin. In den 90er-Jahren hatte der Senat die Idee, die Staatlichen Europaschulen zu gründen. An normalen Grundschulen sollten jeweils ein, zwei Züge eingerichtet werden, in denen neben Deutsch auch gleichberechtigt in einer anderen Sprache unterrichtet wird. So entstanden zum Beispiel Züge mit portugiesischen, polnischen, französischen, russischen oder eben griechischen Klassen. Dass an der Homer-Grundschule 1996 der griechische Zug der Europaschulen eröffnet wurde, hatte mehrere Gründe. Zum einen fand sich eine Elterninitiative, die die Gründung dieses Zuges anschob. Zum anderen hatte die Schule in der Pasteurstraße 10/12 seinerzeit freie Kapazitäten. Die Schülerzahlen in Prenzlauer Berg gingen damals zurück, ausreichend Raum stand zur Verfügung.

Viele Jahre lang finanzierte der griechische Staat dann auch die griechischen Lehrer, die an der Homer-Grundschule unterrichteten. Die Nachfrage war so groß, dass später noch ein weiterer griechischer Zug an der Steglitzer Athene-Grundschule eingerichtet wurde. Inzwischen hat die Zahl der im Bötzowviertel wohnenden Grundschüler rasant zugenommen. Für den Zuwachs werden mehr Unterrichtsräume benötigt. Das Bezirksamt schnitt in den vergangenen Jahren bereits die Einschulungsbereiche neu zu, damit allen schulpflichtigen Kindern aus dem Viertel auch eine Grundschule in Wohnortnähe zugewiesen werden kann. Doch nun strebt die Senatsschulverwaltung eine radikale Lösung an. Der griechische Zug der Europaschulen soll an der Steglitzer Grundschule konzentriert werden. An der Homer-Grundschule soll er indes auslaufen. Das wird nicht nur mit der Zunahme an Grundschülern im Bötzowviertel begründet. Die Lehrer, die in diesem Zug auf Griechisch unterrichten, müssen inzwischen vom Senat finanziert werden. Weil die griechisch-deutschen Klassen verhältnismäßig klein sind, rechnet sich die Lehrerausstattung für zwei Standorte nicht für den Senat.

Die Eltern aus Homer-Grundschule sehen das aber als interkulturelle Bereicherung für ihre Kinder an. Sie lernen im täglichen Miteinander europäische Vielfalt kennen. So wird schon von klein auf ihr Europaverständnis gestärkt, erklärt Elternvertreterin Maria Wengert-Chalkiadaki. Um für den Erhalt des Zuges zu demonstrieren, stellten sich Schüler nun auf den Kopf. Des Weiteren schrieb die Elterninitiative einen Protestbrief an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Eine Petition zum Erhalt des Europaschulstandorts in Prenzlauer Berg unterzeichneten inzwischen über 2500 Menschen.


Bernd Wähner / BW
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