Museum und "Herbstlaube" geht das Geld aus

Rita Falkenberg führt Besucher ehrenamtlich durch die Museumsausstellung. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Der Ausstellung "Zimmermeister Brunzel baut ein Mietshaus - Bauen und Wohnen in Prenzlauer Berg um 1900" sowie dem Seniorenklub "Herbstlaube" droht das Aus.

Den Einrichtungen in der Dunckerstraße 77 geht das Geld aus. Wenn sich keine Lösung findet, ist Ende April Schluss. Beide Einrichtungen müssten aufgelöst werden. Viele Jahre galten Herbstlaube und Museumsausstellung als Erfolgsgeschichte. Ihr Motor war Karin Ehrlich. Gleich nach der Wende richtete sie mit der "Herbstlaube" den ersten Seniorenklub in freier Trägerschaft in Prenzlauer Berg ein. Als Juwel des Vereins eröffnete vor zehn Jahren die Ausstellung "Zimmermeister Brunzel baut ein Mietshaus". Mit Unterstützung des Pankower Museumsverbundes wurden die Räume nach dem Vorbild der Wohnung von Zimmermeister Heinrich Brunzel eingerichtet. Dieser baute nämlich das Haus in der Dunckerstraße 77.Betreut wird die Ausstellung von Anfang an von Ehrenamtlichen. Das Besondere: Besucher der Herbstlaube können aus eigenen Erfahrungen berichten, wie es sich in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in solchen Wohnungen lebte. Das nutzen vor allem auch Kita-Gruppen und Schulklassen. "Wir erfüllen hier einen Bildungsauftrag", sagt Karin Ehrlich. Aber auch Touristen erkunden in der Ausstellung, wie es sich vor 100 Jahren im Kiez lebte. Dass die Ausstellung und die Herbstlaube jetzt vom Aus bedroht sind, liegt an den fehlenden finanziellen Mitteln. Früher erhielt der Verein eine Förderung vom Bezirksamt. Diese wurde im März 2012 im Zuge von Sparmaßnahmen eingestellt.

"Begegnungsstätte und Ausstellung werden völlig ehrenamtlich betrieben", sagt Karin Ehrlich. "Trotzdem fallen natürlich Kosten für Miete und andere Dinge an. Um die bestreiten zu können, haben wir uns inzwischen von allem getrennt, was wir nicht mehr benötigen: Fahrzeug, Klavier und technische Geräte zum Beispiel. Mehr geht nicht." Abzusehen ist, dass die Verkaufserlöse Ende April aufgebracht sind. Deshalb machte der Verein die Bezirkspolitiker bereits im Herbst darauf aufmerksam, dass man überlegen müsse, wie es mit der Museumsausstellung weitergehen soll. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen schlägt in einem Antrag vor, dass der Verein mit der Betroffenenvertretung Helmholtzplatz kooperieren solle. Die betreibt einen Kiezladen auf der anderen Straßenseite. Doch dieser Treff ist auch nur noch bis nächstes Jahr finanziell abgesichert. Am 12. März will sich der Kulturausschuss der BVV mit diesem Thema befassen. Kulturstadtrat Torste Kühne (CDU) sicherte dem Trägerverein von Museum und Herbstlaube inzwischen zu, dass er sich für eine Lösung einsetzen werde.

Karin Ehrlich: "Eine zweite Stille Straße 10 wird es bei uns allerdings nicht geben. Für eine Besetzung fehlt uns schlicht die Kraft." Trotzdem werde man kreativ auf die angespannte Situation aufmerksam machen. Am 16. März soll von 11 bis 16 Uhr ein Kiezfest vor der Dunckerstraße 77 stattfinden. Organisiert wird es in Abstimmung mit der Betroffenenvertretung Helmholtzplatz.

Um seine Existenz zu sichern, hat der Trägerverein auch Vermieter und Investoren in Prenzlauer Berg angeschrieben. Auch sie müssten ein Interesse am Erhalt der Ausstellung über die Geschichte des Wohnens haben, meinen die Vereinsmitglieder. Eine Resonanz blieb bisher jedoch aus.

Besichtigt werden kann die Ausstellung "Zimmermann Brunzel baut ein Mietshaus" montags, dienstags, donnerstags, freitags und sonnabends von 11 bis 16.30 Uhr. Führungen sind unter 445 23 21 zu vereinbaren. Weitere Informationen im Internet auf www.ausstellung-dunckerstraße.de.

Bernd Wähner / BW
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