Oberschüler erkundeten ihren Mühlenbergkiez

Hamza Ismail und Ayman Ismail aus der 10a der Gustav-Eiffel-Schule fertigten Wegweiser im Mühlenbergkiez an. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Unter dem Motto "Wir machen den Kiez lesbar" haben Oberschüler den Mühlenbergkiez mit Wegweisern ausgestattet.

Angefertigt wurden die 19 Hinweisschilder von Schülern der jetzigen Klasse 10a der Gustav-Eiffel-Schule in der Hanns-Eisler-Straße 78-80. Jedes Schild ist ganz individuell gestaltet. So sind die Wegweiser zugleich bunte Farbtupfer im Kiez.Initiatorin des Projektes ist die Kulturwissenschaftlerin Nina Brodowski, die auch als Stadtplanerin tätig ist. Ihr fiel auf, dass es im Kiez rund um die Thomas-Mann- und Hanns-Eisler-Straße keine Hinweisschilder auf die vielen Einrichtungen im Wohngebiet gibt. Mit Jeanette Münch, die die Stelle für politische Bildung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Pankower Jugendamt leitet, entwickelte sie die Idee, mit Oberschülern aus dem Kiez ein Projekt zu starten. In der Gustav-Eiffel-Schule fand die Initiatorin eine interessierte Partnerin.

Die meisten Schüler dieser Integrierten Sekundarschule kommen allerdings aus anderen Kiezen. Mit 26 Schülern erkundete die Projektinitiatorin deshalb zunächst ein halbes Jahr lang das Wohngebiet. In dem leben rund 10 000 Menschen. Die Schüler entdeckten Einrichtungen wie den Jugendklub Atelier 89, das Kinder- und Jugendtheater Murkelbühne, die Freizeiteinrichtung "Kinderzimmer" oder die Jugendverkehrsschule. "In einer zweiten Phase gründeten wir dann Projektgruppen", so Nina Brodowski. "Jede Gruppe bekam ein Budget von 150 Euro. Ihr Auftrag war, einen geeigneten Standort für ihren Wegweiser zu finden und die entsprechenden Wegweiser anzufertigen." Die Schüler mussten mit jeder Einrichtung Kontakt aufnehmen, Schilderentwürfe abstimmen und das Material für die Schilder besorgen. "Bei der Umsetzung legten wir Wert auf Nachhaltigkeit. Die Schüler sollten nach Möglichkeit Recyclingmaterial verwenden, und die Schilder sollten lange haltbar sein", erklärt Nina Brodowski.

Dass sie mit einem festen Budget auskommen mussten, war für die Schüler zugleich ein Stück Berufsvorbereitung. Sie lernten Ausgaben zu planen und kostengünstig zu arbeiten. Was von den 150 Euro Budget nicht für Material benötigt wurde, konnten die Schüler als Honorar behalten. So gab es gleich noch einen finanziellen Anreiz, möglichst wirtschaftlich zu arbeiten. Außerdem waren Absprachen mit dem Pankower Tiefbauamt zu treffen. Das musste die Standorte für die Wegweiser genehmigen. Inzwischen sind alle Schilder angebracht. Sie erleichtern nun nicht nur den Kiezbewohnern, sondern auch den jüngeren Schülern der Gustav-Eiffel-Schule die Orientierung im Kiez. Vorgesehen ist, dass Schüler in den kommenden Jahren die Wegweiser auch warten und bei Bedarf erneuern. Gefördert wurde das Projekt "Wir machen den Kiez lesbar" unter anderem von der Kulturstiftung des Bundes, vom Haus der Kulturen der Welt und von der Freien Universität.


Bernd Wähner / BW
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