Robert-Havemann-Gesellschaft bekommt 2014 weniger Fördermittel

Prenzlauer Berg. Ausgerechnet im 25. Jahr nach dem Mauerfall muss sich die Robert-Havemann-Gesellschaft um den Fortbestand ihres Archivs sorgen.

So wie andere Dokumentationszentren, die sich mit der Geschichte des politischen Widerstandes in der DDR beschäftigen, wird auch das Archiv der Robert-Havemann-Gesellschaft in der Schliemannstraße 23 von der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert. Für die Förderung werden Zinseinnahmen verwendet. Weil die Zinsen auf dem Kapitalmarkt derzeit sinken, steht auch weniger Geld zur Verfügung. Bislang wurden in ostdeutschen Städten insgesamt 26 Projekte und Initiativen mit 2,8 Millionen Euro gefördert. Im kommenden Jahr stehen nun 1,5 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Wenn sich keine Lösung findet, können einzelne Projekte nicht mehr fortgeführt werden.

Deshalb wandten sich die Initiativen mit einem offenen Brief an Kulturstaatsminister Bernd Neumann, die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen der künftigen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD sowie weitere Politiker mit Bitte um Unterstützung. Sie möchten, dass der unverschuldete Mittelausfall der Bundesstiftung vom Bund ausgeglichen wird. Sollte sich keine Lösung finden, ist auch der Fortbestand des Archivs der Robert-Havemann-Gesellschaft in Gefahr. Gegründet wurde diese im Herbst 1990. Ihr Archiv enthielt zunächst den Nachlass des 1982 verstorbenen Regimekritikers Robert Havemann sowie Dokumente der Bürgerbewegung Neues Forum. Später kamen zwei wichtige Archive der DDR-Opposition hinzu: das Matthias-Domaschk-Archiv, das aus der Ost-Berliner Umweltbibliothek hervorging, und das Archiv Grauzone mit seinen Sammlungen aus der ostdeutschen Frauenbewegung. Im Laufe der Jahre wurde der Bestand kontinuierlich erweitert. Bürgerrechtler wie Bärbel Bohley, Gerd und Ulrike Poppe, Roland Jahn, Wolfgang Ullmann oder Marianne Birthler, aber auch weniger bekannte Oppositionelle haben dem Archiv zahlreiche persönliche Dokumente überlassen. Für die Arbeit gibt es bisher keine institutionelle Förderung, sondern immer nur eine stets neu zu beantragende Projektförderungen. Dabei wird das Archiv von Politikern und Wissenschaftlern als nationales Kulturgut verstanden.


Bernd Wähner / BW
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