Claude Lerognon fährt auf dem Dreirad von Paris nach Berlin

Vor seiner Friedensfahrt fuhr Claude Lerognon zum Training jeden Tag um die 80 Kilometer. (Foto: BW)

Prenzlauer Berg. Es wird für ihn eine der größten Herausforderungen seines Lebens. Claude Lerognon wird in den nächsten Tagen 1500 Kilometer mit einem Dreirad fahren.

Der Prenzlauer Berger mit französischen Wurzeln startet am 8. Mai seine eigene Friedensfahrt. Los geht es um 9 Uhr am Eifelturm in Paris. Danach wird er jeden Tag eine etwa 75 Kilometer lange Strecke absolvieren. Nach 21 Etappen, so der Plan, kommt er am 28. Mai am späten Nachmittag in Berlin an. "Ich möchte ein Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft setzen", sagt 70-Jährige, der am symbolträchtigen 20. Juli 1944 in Frankreich geboren wurde. Wie er später erfuhr, fand an diesem Tag das Attentat auf Hitler statt. "In meiner Kindheit hörte ich, dass die Deutschen Barbaren wären", erinnert sich Claude. "Das veranlasste mich, mit Anfang 20 nach Deutschland zu gehen. Ich wollte erfahren, ob das wirklich der Wahrheit entsprach." Schnell wurde ihm klar: Die Deutschen waren keine Monster. "Das System und nicht die Menschen waren grausam", resümiert er. Und so dauerte es nicht lange, bis er seine ersten Freunde in Deutschland fand.

Inzwischen setzt er sich engagiert für die deutsch-französische Freundschaft ein. Er lebt seit 40 Jahren, mit einigen Unterbrechungen, in Deutschland. Seit mehr als zehn Jahren ist er im Ernst-Thälmann-Park zu Hause. Hier kennen ihn inzwischen viele als den Mann mit dem roten Dreirad.

Dass Claude Lerognon zum Dreiradfahrer wurde, ist einer schweren Erkrankung und einer folgenden Operation im Bauchbereich geschuldet. Danach litt er unter der sogenannten Schaufensterkrankheit. "Mein Arzt riet mir, am besten zwei Stunden täglich spazieren zu gehen, wenn ich wieder auf die Beine kommen wollte", so Claude. "Das probierte ich aus. Es sagte mir aber nicht zu. Ich wollte lieber Radfahren."

Er versuchte es mit einem gefederten Damenrad. Das brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Vor drei Jahren versuchte er es dann mit einem Dreirad. Recht schnell fasste Claude auf seinem knallroten Gefährt Vertrauen. Er wurde immer mutiger. Jeden Tag radelte er zwischen zehn und zwölf Kilometer. Egal wo er in Berlin hinwollte, sein Dreirad ließ ihn sicher ankommen.

"Vor einem Jahr dachte ich mir, dass ich mit meiner zurückgewonnenen Freiheit mehr anfangen müsste", sagt er. Er hörte davon dass es früher die Friedensfahrt gab. Sie war das größte und berühmteste Radsportereignis östlich des Eisernen Vorhangs. So entwickelte er die Idee, seine ganz eigene Friedensfahrt von Paris nach Berlin zu planen.

Testweise umrundete Claude im vergangenen Herbst schon mal Berlin auf dem Mauerradweg. Weil diese "Aufwärmrunde" über 162 Kilometer sehr gut klappte, ist er optimistisch, dass auch seine Fahrt für den Frieden erfolgreich sein wird. Dafür trainiert er seit Wochen jeden Tag, indem er zwischen 75 und 80 Kilometer in und um Berlin radelt.

An den Start geht Claude Lerognon am 8. Mai mit einem 16 Kilo leichten Liegedreirad. Zu seinen etwa 15 Kilogramm Gebäck wird auch ein Dreimann-Zelt gehören. In dem werden er und sein Bike in Gärten von netten Menschen am Wegesrand übernachten. Unter anderem macht er Station in Kriftel. Das dort ansässige Unternehmen HP Velotechnik stellt ihm sein Dreirad zur Verfügung. Außerdem wird er in Kleinmühlingen haltmachen. In diesem Ort befindet sich das offizielle Friedensfahrt-Museum.

Begleitet wird der Dreiradfahrer auf etwa zwei Dritteln der Strecke von einem Kamerateam. Geplant ist ein Dokumentarfilm. Und vielleicht entsteht auch ein kleines Buch über dieses Abenteuer. Claude ist nämlich Mitglied in der Gruppe "Kreatives Schreiben" des Seniorenklubs Paul-Robeson-Straße.


Bernd Wähner / BW
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