Drei Ideen für die Schönhauser Allee: Senat plant eine behutsame Umgestaltung

Dieser Abschnitt der Schönhauser Allee soll nach und nach umgestaltet werden. (Foto: Bernd Wähner)
 
Dieser Abschnitt der Schönhauser Allee soll nach und nach umgestaltet werden. (Foto: Bernd Wähner)

Prenzlauer Berg. Ein Abschnitt der Schönhauser Allee soll in den nächsten Jahren Stück für Stück umgestaltet werden. Mit diesem Vorhaben möchte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zum einen deren Attraktivität als Einkaufsstraße erhöhen. Zum anderen will man Erfahrungen sammeln, die man auf ähnliche Straßen in der Stadt übertragen könnte.

Die Schönhauser Allee hat ein großes Problem: Hier gibt es viel zu wenig Platz für zu viele Nutzer. Fußgänger, Radfahrer, der öffentliche Nahverkehr, Autofahrer – sie alle müssen sich den beengten Straßenraum teilen, erklärt Burkhard Horn. Er ist Leiter der Abteilung Verkehr in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Diese will das Problem mit neuen Ideen nach und nach lösen.

Deshalb luden seine Mitarbeiter und er im vergangenen Jahr zu einem Workshop zur Schönhauser Allee ein. Daran nahmen nicht nur Verwaltungsmitarbeiter, Polizei, BVG und Politiker teil. Es waren auch Vertreter der Anlieger, wie des Center-Managements der Schönhauser Allee Arcaden, der Sparkasse und der Wohnungsgenossenschaft Bremer Höhe eingeladen.

Bestandsaufnahme von Experten

Einen fachkundigen Blick von außen garantierten beim Workshop Vertreter des Kopenhagener Architekten-Büros Jan Gehl. Dieses Büro machte sich in den vergangenen Jahren weltweit einen Namen mit Großprojekten, wie zum Beispiel der Umgestaltung des Time Square in New York.

Die Workshop-Teilnehmer konzentrierten sich in ihrer Bestandsaufnahme und bei Suche nach neuen Ideen für die Schönhauser Allee auf den Bereich zwischen Stargarder Straße und Wichertstraße. Hier sind 80 Prozent der Allee-Nutzer Fußgänger, Radfahrern und Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel. Ihnen allen steht aber weit weniger Raum als Autofahrern zur Verfügung.

„Deshalb entwickelten wir drei Ideen, die wir umsetzen möchten“, erklärt Burkhard Horn. „Wir beginnen dabei zunächst mit kleinen, temporären Eingriffen, die notfalls rasch rückbaubar sind – wenn sie nicht funktionieren“, so der Abteilungsleiter.

Temporäre Freiflächen: Das ist die erste Idee, die recht schnell umgesetzt werden soll. Dafür werden zwischen Stargarder und Wichertstraße einige Parkplätze am Straßenrand wegfallen. Diese Flächen sollen einer anderen Nutzung zugeführt werden. Denkbar sind eine temporäre Begrünung oder eine gastronomische Nutzung. Die technischen und rechtlichen Voraussetzungen werden in der Senatsverwaltung gerade geprüft. Danach soll die Umsetzung des Projektes ausgeschrieben werden. Start könnte noch in diesem Jahr sein.

Eine Fahrspur weniger?

Stadtauswärts eine Fahrspur weniger. Das ist die zweite Idee, die mittelfristig angegangen wird. Nach Berechnungen des Senats ist das Autoverkehrsaufkommen in diesem Bereich nicht so hoch, dass der Wegfall einer Spur zu erheblichen Staus führen würde. „Hier gibt es zu enge Rad- und Gehwege. Der freiwerdende Straßenraum könnte dann von den anderen Verkehrsteilnehmern genutzt werden“, erklärt Abteilungsleiter Horn.

Bevor diese Idee umgesetzt werden kann, lässt sie die Senatsverwaltung in einer Machbarkeitsstudie genau prüfen. Möglicherweise ab 2017 könnte diese Idee ausprobiert werden. Sollte sich diese Aufteilung des Straßenraums bewähren, könnte sukzessive die radikalste Idee umgesetzt werden: eine komplette Sperrung.

Die könnte auf der stadtauswärts führenden Straßenseite im Bereich zwischen Stargarder Straße und Wichertstraße Wirklichkeit werden. Der Autoverkehr würde dann in beide Richtungen nur noch auf der heute stadteinwärts führenden Straßenseite auf jeweils einer Spur stattfinden. Im Bereich vor und um die Schönhauser Allee Arcaden entstünde eine Fußgängerzone. „Noch ist das nur eine Idee“, betont Horn. „Darüber muss erst noch einmal gründlich diskutiert werden.“

Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) freut sich indes, dass überhaupt endlich über die Zukunft der Schönhauser Allee diskutiert wird. Jahrelang verweigerte sich die Senatsverwaltung nämlich solch einer Diskussion. Er bezeichnet deshalb das Umdenken im Senat als „kleine Revolution“.

Auch Mitglieder des Pankower Verkehrsausschusses sind begeistert, dass sich der Senat endlich des Themas annimmt. Die Bezirkspolitiker hatten in den vergangenen Jahren bereits mehrfach eine neue Flächenaufteilung in der Schönhauser Allee gefordert, erklärt Roland Schröder, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Weil es sich um eine übergeordnete Straße handelt, hat hier allerdings ausschließlich der Senat das Sagen. So kann man nun gespannt sein, wann und wie die neuen Ideen zur Schönhauser Allee umgesetzt werden. BW
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