Die künftige Fischerin vom Müggelsee

Den 35-Kilo-Karpfen haben Maria und Andreas Thamm gemeinsam aus dem Müggelsee geholt. (Foto: Ralf Drescher)
Berlin: Müggelseefischerei | Noch ist Maria Thamm (16) Oberschülerin im nahen Neu-Zittau und büffelt für ihr Abitur. Läuft alles nach Plan, könnte sie in fünf Jahren die erste Müggelseefischerin in der Geschichte von Rahnsdorf werden.

„Ich habe schon mehrere Jahre im Betrieb meiner Eltern geholfen, unter anderem am Wochenende Fischbrötchen verkauft. Da sieht man schon, das Fischer ein harter Beruf ist. Man muss ja bei fast jedem Wetter mit dem Kahn auf den Müggelsee“, erzählt die junge Frau, die vor Kurzem gerade ihren Motorradführerschein gemacht hat.

Seit September absolviert sie im Rahmen ihrer Schulausbildung nun ein Praktikum in Vaters Müggelseefischerei. Montag bis Mittwoch geht es zu Hause in Rahnsdorf an den Räucherofen, mit dem Kahn auf Spree und Müggelsee oder bei schlechtem Wetter auch ans Netzeflicken. Mit dem Fischerboot kommt Maria Thamm schon ganz gut klar und auch das Stellnetz kann sie schon ohne Hilfe auswerfen. Donnerstag und Freitag drückt sie in Neu-Zittau weiter die Schulbank und arbeitet an ihrem Fachabitur, Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung. „Nach dem Ende der Schulausbildung kann meine Tochter dann die Fischereischule im sächsischen Königswartha besuchen. Die Ausbildung zum Fischwirt dauert drei Jahre, und den praktischen Teil der Lehre gibt es bei mir und Kollegen“, erklärt Müggelseefischer Andreas Thamm.

Der ist bereits stolz wie Bolle, dass seine Maria die erste Fischerin auf dem Müggelsee werden könnte. Da die auf den Fischgütern liegenden Fischrechte auch in Rahnsdorf traditionell seit Jahrhunderten immer an den ältesten Sohn der Familie gingen, hat es zumindest offiziell noch nie eine Fischerin gegeben. „Obwohl viele Fischerfrauen ihren Männern wohl auch beim Fang zur Hand gegangen sind und nicht nur beim Schlachten und Verkauf geholfen haben“, erzählt Andreas Thamm.

Er war schon zu DDR-Zeiten als Mitglied einer Genossenschaft auf Köpenicker Gewässern mit Netzen und Kahn unterwegs. Nach der Wende konnte er dann ein altes Fischgut in der Rahnsdorfer Dorfstraße kaufen. „Wir sind in diesem Haus bereits die 13. Familie, die von hier aus Fischfang auf Spree und Müggelsee betreibt“, erzählt er Thamm stolz.

Leider ist der 63-jährige Rahnsdorfer auch der letzte Müggelseefischer. In den früheren Fischerhäusern wohnen heute zum großen Teil Senioren und wenn doch mal eine junge Familie einzieht, gehen die meist ihrem Broterwerb im Zentrum Berlins in irgendeinem Büro nach. „Ich möchte die Rahnsdorfer Fischertradition fortführen und sie später einmal an die nächste Generation weitergeben“, sagt Maria Thamm mit fester Stimme. Die Chancen für eine Fischerin vom Müggelsee stehen derzeit also gar nicht so schlecht.

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