Wohnen auf dem Friedhof: Wo heute noch Bestattungen stattfinden, sollen langfristig Wohnhäuser entstehen

Grüne Wohnhöfe: Die Bäume auf dem ehemaligen Friedhof sollen so weit wie möglich erhalten werden. (Foto: Machleidt GmbH)
Berlin: St. Johannes Evangelist |

Wedding. Der Friedhof St. Johannes Evangelist neben der Schillerparksiedlung wird kaum noch genutzt und soll zukünftig mit Wohnhäusern bebaut werden. Der Eigentümer des insgesamt 3,5 Hektar großen Friedhofs, der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, hatte dafür einen städtebaulichen Wettbewerb ausgelobt.

Die Architekten vom Berliner Büro Machleidt haben mit ihrem Vorschlag einer „Wald-Siedlung St. Johannes“ das zweistufige Gutachterverfahren gewonnen. Sie schlagen vor, den Friedhofscharakter weitestgehend zu erhalten und platzieren in dem grünen Park mit hunderten Bäumen behutsam insgesamt 14 Wohninseln. Die Baufelder bestehen aus jeweils einem sechs- bis siebengeschossigen Wohnturm und einem drei- bis viergeschossigen Gebäude, das gegenüber steht. Dazwischen liegt der jeweilige Wohnhof. „Ein Entwurf, der sensibel mit dem Friedhof umgeht und ihn nicht zu einer Wohnsiedlung transformiert“, sagte die Juryvorsitzende Inken Baller zum Siegerentwurf, der aus drei städtebaulichen Entwürfen für eine Nachnutzung des Friedhofs St. Johannes-Evangelist ausgewählt wurde. Auch die Anwohner, die im Januar über die Entwürfe abstimmen konnten, hatten sich mehrheitlich für die Idee des Büros Machleidt ausgesprochen.

Die ehemalige Kapelle in der Mitte des Friedhofs zwischen Holländerstraße und Barfussstraße ist denkmalgeschützt und soll zukünftig als Kultur- und Veranstaltungsort genutzt werden, wie Marianne Häußler von der STATTBAU Stadtentwicklungsgesellschaft sagt. Das private Planungsbüro hatte das Gutachterverfahren geleitet.

Insgesamt sind 384 Wohnungen auf dem Friedhofsgelände geplant. Jeweils ein Drittel sollen subventionierte Sozialwohnungen, normale Mietwohnungen und Eigentumswohnungen werden. Einen Investor für die Häuser gibt es bisher genauso wenig wie Baurecht. Dazu muss der Bezirk erst einen Bebauungsplan aufstellen, der aus dem Friedhof Bauland macht. In etwa fünf Jahren könnte es im südlichen Bereich an der Barfusstraße mit dem Wohnungsbau losgehen. Dieser Teil ist bereits für Bestattungen geschlossen und entwidmet. Dort will das Bezirksamt zügig Baurecht schaffen, um im ersten Bauabschnitt 135 Wohnungen zu errichten. Für den nördlichen Teil an der Holländerstraße dauert alles noch ein paar Jahrzehnte. Erst in 30 Jahren laufen die letzten Friedhofsfristen ab; vorher kann dort nichts gebaut werden. Der prämierte Entwurf hat schon einmal die planerischen Grundlagen für die spätere Umnutzung geschaffen. DJ
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