Urteil im Resi-Mord fällt erst im kommenden Jahr

Reinickendorf. Die Urteile wegen eines Mordes im Rocker-Milieu am 10. Januar 2014 in einem Wettbüro an der Residenzstraße werden erst im kommenden Jahr ergehen - eine Justizpanne sorgt für eine Verschiebung des Prozesses, der eigentlich am 17. Oktober hätte beginnen sollen.

Es war ein spektakulärer Mord, gefolgt von einer spektakulären Festnahme-Welle. Am 10. Januar stürmte eine Gruppe von Männern das Wettbüro an der Residenzstraße und eröffnete sofort das Feuer auf den 26-jährigen Tahir Ö. Dieser verstarb noch am Tatort. Schon eine Woche später nahm die Polizei erste Tatverdächtige fest. Weitere Festnahmen folgten. Der von den Ermittlern als Drahtzieher verdächtigte Kadir P. stellte sich sogar selbst.

Am 17. Oktober sollte der Prozess im Moabiter Schwurgericht gegen insgesamt elf Angeklagte beginnen. Dann jedoch erkrankte ein Schöffe, und bei der Auswahl eines Nachrückers unterlief der Schöffengeschäftsstelle ein Fehler. Konsequenz: Der Prozessauftakt wurde auf den 4. November verschoben. Daher wird mit einem Urteil erst 2015 zu rechnen sein.

Mit dem Gewaltverbrechen endete zunächst die Rocker-Geschichte in Reinickendorf. Der ehemalige Bandidos-Rocker Kadir P. war vor Jahren zu den verfeindeten Hells Angels übergelaufen, und hatte einen Club an der Residenzstraße eröffnet - und damit einen Rockerkrieg heraufbeschworen. Dieser führte gar dazu, dass ein Straßenfest in der Residenzstraße nur unter Polizeischutz stattfinden konnte. Im Mai 2012 schließlich hatte Innensenator Frank Henkel (CDU) diese Rocker-Gruppierung verboten.

Kadir P. soll angeblich einen Rachefeldzug geplant haben, nachdem Tahir Ö. im Oktober 2013 bei einer Auseinandersetzung vor einer Diskothek am Alexanderplatz einen Hells Angel verletzt haben soll. Der Mord an letzterem rückte auch die Polizei, trotz schneller Fahndungserfolge und den daraus resultierenden Festnahmen, in ein zwiespältiges Licht. So sollen dort die Mordpläne an Tahir Ö. bekannt gewesen sein. Angeblich wurde das spätere Mordopfer nicht von Beamten geschützt, weil diese Ö. im Ausland vermuteten.


Christian Schindler / CS
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