Suche nach dem Vater: Ute Baur-Timmerbrink erhält das Bundesverdienstkreuz

Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) überreicht Ute Baur-Timmerbrink das Bundesverdienstkreuz am Bande. (Foto: Bezirksamt Reinickendorf)

Reinickendorf. Im Auftrag des Bundespräsidenten hat Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) im Rahmen einer kleinen Feierstunde Ute Baur-Timmerbrink das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.

Ute Baur-Timmerbrink erhielt diese hohe Auszeichnung für ihr ehrenamtliches Engagement und ihre unermüdliche Unterstützung von Frauen und Männern, die als Besatzungskinder in Deutschland und Österreich aufwuchsen und ihre Väter suchen. So konnte sie in der gemeinnützigen britischen Organisation „GI Transatlantic Children’s Enterprise“ (GI-TRACE) mittlerweile mehr als 200 Frauen und Männern helfen, ihre Väter zu finden.

Mit 52 plötzlich ein "neuer" Vater

"Ein Großteil dieser Beziehungen waren echte Liebesbeziehungen. Auch wenn sie nur sehr kurz waren", so Ute Baur-Timmerbrink. Seit 2003 steht sie anderen Suchenden zur Seite. Ehrenamtlich. Die Ausgezeichnete selbst hatte an ihrem 52. Geburtstag über sehr nahe Verwandte erfahren, dass ihr Vater ein amerikanischer Besatzungssoldat war und begonnen, nach ihm zu suchen. "Ich habe immer geahnt, dass etwas nicht stimmte." Jedoch fügt sie nachdenklich hinzu, "habe ich die Eltern nie gefragt ob mein Papa mein Papa ist".

Eine solche Suche ist meist voller Hürden. Der Zugang zu den entsprechenden staatlichen und militärischen Archiven in den Herkunftsländern erweist sich oft ebenso schwierig wie der Einblick bzw. der Erhalt von Originaldokumenten. Baur-Timmerbrink nutzt nun die eigenen Erfahrungen, um anderen bei deren Suche weiterzuhelfen. Wichtig bei der Suche sind das Alter der Mutter, Hautfarbe des Vaters, Dienstgrad und Name. Der Jahrgang des Kindes und Ort der Stationierung des Vaters sind auch sehr hilfreich. Die Zahl der Besatzungskinder in Deutschland wird auf 250.000 geschätzt. Diese Zahl bezieht sich jedoch nur auf die Schicksale in Westdeutschland. "Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch um einiges höher sein", ergänzt Ute Baur-Timmerbrink. Und noch gar nicht richtig aufgearbeitet sind viele Schicksale aus der ehemaligen DDR.

Historiker greifen auf ihre Arbeit zurück

Nicht nur die zahlreichen Besatzungskinder profitieren von ihrem Wirken und ihren Publikationen – auch viele Wissenschaftler, darunter Historiker, Erziehungswissenschaftler, Soziologen und Psychologen, schätzen ihren Enthusiasmus und ihre breite Expertise bei der akademischen Bearbeitung dieses wichtigen Forschungsfeldes. Ihre eigene Geschichte und zwölf Portraits gleichermaßen Betroffener hat Ute Baur-Timmerbrink im Buch "Wir Besatzungskinder – Töchter und Söhne alliierter Soldaten erzählen" verarbeitet. Ein Lesetipp für alle, die gerne mehr über dieses Kapitel der Nachkriegsgeschichte erfahren möchten oder gar selber noch auf der Suche nach Antworten sind. gw

Weitere Informationen gibt es unter www.gitrace.org.
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