Ein Krankheitsfall bringt Stundenplan durcheinander

Der Altbau der Grundschule kann wegen eines Deckeneinsturzes derzeit nicht genutzt werden. Auch baulichen Probleme führen zu Unterrichtsausfall. (Foto: Schindler)

Reinickendorf. Im Schuljahr 2012/2013 sind in Reinickendorf 2,7 Prozent des an den Schulen vorgesehenen Unterrichts ausgefallen. Diese Zahlen nannte die Senatsbildungsverwaltung nach einer Anfrage der Grünen-Abgeordneten Stefanie Remlinger am 31. Januar dieses Jahres.

Das Thema Unterrichtsausfall scheint für offizielle Stellen in Berlin ein heikles Thema zu sein. Die Reinickendorfer Außenstelle der Senatsverwaltung für Bildung verweist auf die zentrale Pressestelle, und die geht erst einmal auf Tauchstation. Offizielle Zahlen gibt es nur für das abgelaufene Schuljahr durch die Anfrage von Remlinger.

Danach gab es "richtigen Unterrichtsaufall" in Höhe von 2,7 Prozent in Reinickendorf. Konkret heißt das, dass im Schuljahr 2012/2013 rund 1150 Wochenstunden nicht erteilt wurden. Allerdings sagt das noch nichts darüber aus, wie viel an eigentlich vorgeschriebenem Unterricht nicht sttfand. Die Quote der Vertretungsfälle, also des Fehlens der Lehrer aus welchem Grund auch immer, lag bei 11,2 Prozent beziehungsweise 4800 Wochenstunden. Davon wiederum wurden 3650 Stunden in Vertretung gehalten, was jedoch nichts darüber aussagt, ob auch Unterricht stattfand oder die Schüler nur beaufsichtigt wurden.

Gabriele Nitsche, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Schule, sieht die Ursache der Probleme in der vom Senat vorgegebenen Berechnungsgrundlage für das Schulpersonal: "Schulen fahren nie mit 100 Prozent plus aller Eventualitäten." Mit anderen Worten: Eine statistische Lehrer-Ausstattung von 100 Prozent birgt schon Probleme in sich, denn ein einziger Krankheitsfall bringt den Stundenplan durcheinander. Allerdings sagt Gabriele Nitsche auch, dass es zurzeit in Reinickendorf keine besonderen Ärgernisse gebe.

Sorgen bereiten im Bezirk momentan eher Havarien in den Schulgebäuden. Wie berichtet, war in einem Flur der Renée-Sintenis-Grundschule am Laurinsteig 39 am Wochenende vor dem 5. Mai die Decke herabgestürzt. Der Altbau mit 17 Räumen bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Die Schüler der fünften und sechsten Klassen finden Unterschlupf im Georg-Herwegh-Gymnasium, die vierten Klassen in der Gustav-Dreyer-Grundschule. Der Unterrichtsausfall durch die sofortige Schulsperrung wurde mit Ausflügen aufgefangen. Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) prüft jetzt die Nutzung von Containern für die Renée-Sintenis-Grundschule.

Wie lange der Altbau der Schule gesperrt bleibt, ist noch nicht absehbar. Klar ist nur, dass die Sanierung teuer wird. Bürgermeister Frank Balzer (CDU) rechnet mit einem sechsstelligen Betrag, der wohl eher an der Grenze zum Millionenbereich liegen wird. Fest steht derzeit nur, dass der Deckenabsturz auf Pfusch am Bau vor rund 50 Jahren zurückzuführen ist, für den niemand mehr in Regress genommen werden kann. Zehn weitere Schulen mit ähnlicher Architektur werden gerade auf bauliche Risiken überprüft. Ergebnisse liegen noch nicht vor.


Christian Schindler / CS
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