Stadtentwicklung statt Sport: Interview mit Bürgermeister Frank Balzer über neue Aufgaben

Bürgermeister Frank Balzer ist jetzt auch Stadtentwicklungsstadtrat. (Foto: Bezirksamt Reinickendorf)

Reinickendorf. In einigen Berliner Bezirken haben die Kommunalwahlen 2016 für neue Gesichter auf den Rathaus-Chefsesseln gesorgt. Nicht so in Reinickendorf. Bürgermeister Frank Balzer (CDU) hat sein Amt behalten. Berliner-Woche-Reporterin Berit Müller sprach mit ihm über alte und neue Schwerpunkte der Arbeit.

Sie hatten lange Zeit auch das Sportstadtdezernat inne – haben mit der Neubildung des Bezirksamtes nach der Wahl 2016 das Ressort aber abgegeben. Ist Ihnen das schwer gefallen?

Frank Balzer: Vom Sportamt habe ich mich schon schweren Herzens getrennt. Aber ich konnte das Ressort in gute Hände legen. Mit dem ehemaligem Leistungssportler und Vizepräsident Jugend beim Landessportbund-Berlin Tobias Dollase haben wir einen ausgesprochenen Fachmann gefunden – das hat es mir etwas leichter gemacht. Außerdem bleibe ich auch als Bürgermeister Ansprechpartner für die Sportler und Vereine in Reinickendorf. Die Umorganisation des Bezirksamtes war einfach notwendig.

Im Zuge dieser Umorganisation haben Sie zu den Ressorts Personal und Finanzen die Bereiche Stadtentwicklung und Umwelt übernommen. Warum?

Frank Balzer: Stadtentwicklung ist ein zentrales Thema – in ganz Berlin, nicht nur in Reinickendorf. Aber gerade in unserem Bezirk stehen wichtige Entscheidungen und Projekte an: Ich denke an das Schumacher Quartier, an die Residenzstraße, das Tegel-Center, das Märkische Viertel. Die Abteilung Stadtentwicklung als Genehmigungsbehörde ist in alle Entwicklungen involviert. Wohnungsbau, Quartiersmanagement, Stadterneuerung – um diese Themen will ich mich intensiver kümmern.

Sprechen wir über das Schumacher Quartier. Dort sollen nach der Schließung des Flughafens Tegel 5000 Wohnungen für bis zu 10.000 Menschen entstehen. Die CDU hat sich zu diesen Plänen bislang eher kritisch geäußert. Bleiben Sie dabei?

Frank Balzer: Nicht die Anzahl der Wohnungen, sondern die Massivität der Bebauung kritisieren wir. Die aktuellen Pläne sehen eine dichte Bebauung bei wenigen Freiflächen in einem zu eng gefassten Gebiet vor. Ich halte es für sinnvoller, das Quartier in Richtung Cité Guynemer auszuweiten, um weniger kompakt bauen zu müssen. Wir würden das bestehende Konzept also gern modifizieren. Dazu bleibt durchaus Zeit, denn Tegel ist bekanntlich noch nicht einmal geschlossen.

Und bleibt womöglich offen … Was halten Sie denn vom Vorstoß der FDP, die Tegel behalten will und ein Volksbegehren initiiert hat?

Frank Balzer: Was ich persönlich denke, spielt keine Rolle. Entscheidend ist die Rechtslage. Laut Urteil des Bundesverwaltungsgerichts muss Tegel schließen, wenn der Flughafen BER in Betrieb geht. Es ist nicht zu erwarten, dass sich an diesem rechtlichen Rahmen etwas ändert – auch wenn andere Szenarien vorstellbar sind. Ich halte es daher für sinnvoller, die Nachnutzung des Flughafenareals vernünftig anzugehen, besonders, was die Themen Arbeit und Wohnen betrifft.

Stichwort Wohnen – gerade in Teilen Reinickendorfs, die aktuell noch vom Fluglärm betroffen sind, geht die Angst vor Gentrifizierung um, sollte Tegel schließen. Was können Sie gegen explodierende Mietpreise und Wohnungsmangel tun?

Frank Balzer: Eben deshalb brauchen wir das Schumacher Quartier. Der Bezirk hat nicht viel Wohnungsbaupotenzial, obwohl auch in der Cité Foch, in Lübars und Hermsdorf aktuell Neubauten entstehen. Aber wir haben nur circa 20 Flächen, die für den Wohnungsbau geeignet sind. Und ich werde nicht zulassen, dass Grünanlagen dafür weichen.

Zum Thema Gentrifizierung: In der Residenzstraße ist ein Wandel dringend notwendig. Das wünschen sich Geschäftsleute wie Anwohner. Als ich ein Kind war, zählte die Resi zu den florierenden Geschäftsstraßen Reinickendorfs. Wir brauchen dort eine veränderte Sozialstruktur, damit die Straße attraktiver wird. Aber natürlich werden wir die Instrumente, die uns zur Verfügung stehen, nutzen, um eine komplette Verdrängung der Bevölkerung zu verhindern. Mit nur acht Kilometern Entfernung vom Alexanderplatz hat der Kiez im Prinzip eine Top-Innenstadtlage. In anderen Metropolen sind die Mieten in vergleichbarer Citynähe nicht bezahlbar. Gegen eine solche Entwicklung müssen wir mit den Mitteln, die wir haben, steuern.

Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit in diesem Jahr?

Frank Balzer: Die Infrastruktur zu erhalten und zu entwickeln, war und bleibt mir wichtig. Spielplätze, Senioren- und Jugendfreizeitstätten, Sportanlagen müssen ausreichend vorhanden und in gutem Zustand sein. Und ich möchte, dass Reinickendorf ein gepflegter, grüner Bezirk bleibt. Ein besonders wichtiges Vorhaben betrifft das Tegel-Center. Ich bin überzeugt, dass der Ortsteil mit dem Umbau des Centers eine Einkaufsstraße bekommt, die berlinweit mithalten kann und auch für die Bewohner der Vororte höchst attraktiv ist. Wir werden das Projekt jetzt vorstellen, der Baustart ist fürs erste Quartal vorgesehen.
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