Die Berliner Woche blickt zurück

Schüler, deren Eltern und Lehrer der Peter-Witte-Grundschule demonstrieren vor dem Rathaus für den Erhalt der Schule. (Foto: Christian Schindler)
 
Trainer-Legende Ulli Wegner ist seit Langem Reinickendorfer - und stellte hier auch seine Autobiografie vor. (Foto: Christian Schindler)
 
Am 21. August entgleist eine S-Bahn in Richtung Hennigsdorf hinter dem Bahnübergang Gorkistraße. Die Bilanz: sechs Verletzte. (Foto: Christian Schindler)

Reinickendorf. Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu. Über die interessanten Ereignisse im Bezirk hat die Berliner Woche regelmäßig berichtet. Hier ein Rückblick auf Spannendes, Aufregendes und Kurioses.

Januar: Der Bezirk bereitet sich auf eine große Veränderung vor. Im Rathaus liegt der Bebauungsplan für einen Teil des Flughafens Tegel aus. Senat und Bezirk sind sich weitgehend einig, dass nach dem Ende des Flugbetriebes das Gelände rund um das Terminal für Forschung und Technologie gesichert werden soll. Was da im Bezirk jedoch noch niemand weiß: Der für den 3. Juni geplante Komplett-Umzug des Flugbetriebs von Tegel nach Schönefeld wird kurz vorher abgesagt. Februar: Am 8. Februar bringt Bürgermeister Frank Balzer (CDU) den Doppelhaushalt 2012 /2013 in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ein. Er hat für beide Jahre ein Volumen von 980 Millionen Euro. Der Bezirk ist nicht wie andere verschuldet, hat aber auch keine Rücklagen mehr.

Ein Verbrechen erschüttert den Bezirk: Am 10. Februar wird die 85-jährige Rentnerin Ursula Müller ermordet in ihrer Wohnung an der Berenhorststraße gefunden. Ende des Monats wird der mutmaßliche Mörder, ein 34-jähriger Schöneberger, festgenommen.

März: Nach zwei Jahren Vorbereitung schließen in Heiligensee die Otfried-Preußler-Grundschule, Schulzendorfer Straße 99, sowie die Kitas "Regenbogen", "Remmi Demmi" und "Dachskinder" eine Kooperationsvereinbarung. Erzieher und Lehrer hospitieren an den jeweils anderen Bildungseinrichtungen und tauschen sich über den Entwicklungsstand der Kinder aus.

Ende des Monats fallen die Hells Angels unangenehm auf. Am 24. März verfolgen Rocker auf der Residenzstraße einen Pizzabäcker und dessen Sohn in deren Auto. Drei Tage später wird an einer Tankstelle an der Markstraße ein 22-Jähriger angegriffen, der eine Frau kennengelernt hat, für die sich auch ein Hells Angel interessiert.

April: : Am 5. April wählt die Piratenfraktion in der BVV ihren Vorsitzenden Michael Schulz wegen "unpiratischen Verhaltens" ab. Das Pikante daran: Schulz war in der Sitzung gar nicht anwesend, die Gültigkeit der Wahl ist zweifelhaft. Immerhin: Schulz ist weiterhin Mitglied der Fraktion, sein Nachfolger als Fraktionsschef ist Michael Windisch.

Zwischen dem 7. und 12. April wird in die Renée-Sintenis-Grundschule am Laurinsteig 39-45 gleich zweimal eingebrochen. Die Einbrecher stehlen nicht nur Computer, sondern verunstalten die Schule auch mit Schmierereien und Löschschaum aus Feuerlöschern.

Am 30. April zieht das Landgericht Berlin einen juristischen Schlussstrich unter ein Familiendrama. Es verurteilt einen 35-Jährigen zu lebenslanger Haft, der am 18. April 2011 seinen zwölfjährigen Sohn in seiner Wohnung an der Gotthardstraße erschlug.

Mai: Am 14. Mai bekommt das Romain-Rolland-Gymnasium am Place Molière hohen Besuch. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble diskutiert mit den Schülern über den Euro. Einen Tag später beehrt ein anderer Prominenter die Tennisabteilung des SV Reinickendorf am Finnentroper Weg: Trainer-Legende Ulli Wegner stellt sein Buch "Leben in 13 Runden" vor und berichtet unter anderem von seinem Schützling Sven Ottke.

Der 24. Mai ist ein schöner Tag für das Feuerwehrmuseum an der Veit-, Ecke Berlinerstraße. Zum ersten Mal wird dort eine Trauung vorgenommen - Silvia und Christian Kriz geben sich dort das Ja-Wort.

Juni: Zwei unterschiedliche, aber wichtige Jubiläen prägen den Juni. Am 10. Juni feiert der Kulturverein Centre Bagatelle den Erwerb des Hauses vor fünf Jahren. Mit rein privater Initiative konnten Frohnauer Bürger den Erhalt des traditionsreichen Kulturzentrums an der Zeltinger Straße 6 sichern. Ebenfalls am 10. Juni beginnt die Festwoche zum 100-jährigen Bestehen der Kirche Alt-Tegel.

Der 15. Juni hält ein weiteres Jubiläum bereit: Auf Weddinger Gebiet, aber mit traditionsreicher Ausstrahlung nach Reinickendorf als ehemaliger Franzosenbezirk startet auf dem Zentralen Festplatz das 50. Deutsch-Französische Volksfest.

Der Monat endet jedoch dramatisch: In der Nacht zum 30. Juni fegt ein Sturm durch den Bezirk, vor allem Tegel und Lübars sind betroffen. Allein in Tegel werden mehr als 100 Bäume umgerissen und dabei 70 Autos beschädigt.

Juli: Trotz der Sommerferien beherrscht ein Schulthema den Bezirk: Ein Brandschutzgutachten fordert enorme Investitionen in die Peter-Witte-Grundschule, die der Bezirk nicht stemmen kann. Dann stellt sich heraus: Der Gutachter war noch nicht einmal vor Ort, viele seiner Feststellungen sind fragwürdig. Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt und Baustadtrat Martin Lambert (beide CDU) geraten in die Kritik von Schulvertretern, weil sie ohne Beschluss der Bezirksverordneten das "Auslaufen" der Schule verkünden. Die Blamage für den Gutachter ist eine gute Nachricht für die Schule: Ihre Zukunft ist gesichert.

Eine gute Nachricht ohne vorherige Irritation gibt es aus Tegel: Die Deutsche Universität in Kairo will auf 3900 Quadratmetern eine Filiale in der Straße Am Borsigturm errichten.

August: Ein Eigenlob der Berliner Wasserbetriebe wirft auch ein gutes Licht auf den Bezirk. Der Tegeler See gilt als sauberstes Gewässer Berlins. Er bietet mit seiner Sichtweite bis zu drei Metern Tiefe 18 Fischarten eine Heimat. Verantwortlich dafür ist unter anderem die Oberflächenwasser-Aufbereitungsanlage in Tegel zwischen Budde- und Karolinenstraße.

Eine gute Nachricht gibt es auch aus Wittenau. Die Schließungsabsichten der Berliner Tafel für das Kinderrestaurant "Talmarant" im Centre Talma, Hermsdorfer Straße 18, sind vom Tisch. Eine dritte gute Nachricht kommt aus Tegel: Ein neuer Investor verspricht die Wiederaufnahme der Bebauung der brachliegenden Insel im Tegeler Hafen.

Am 21. August sorgt die S-Bahn wieder für Schlagzeilen. Nach dem Passieren der Schranke auf der Gorkistraße entgleist ein Zug in Richtung Hennigsdorf. Sechs Menschen werden leicht verletzt.

September: Die Grünen bringen einen neuen Vorschlag ins Spiel. Um die Anbindung des Flughafengeländes nach dem Ende des Flugbetriebes zu gewährleisten, könnte eine Tram zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Jungfernheide gebaut werden.

Am 20. September steht das Märkische Viertel im Zeichen der Kultur. Mit "Peter Pan" hat im Fontane-Haus die dritte große Musicalproduktion der Musikschule Reinickendorf Premiere - und zieht wie ihre Vorgänger mehr als 2000 Besucher an.

Oktober: Der SC Tegeler Forst kann sich seit dem 18. Oktober "bester Sportverein Berlins" nennen. Er setzt sich in einem Wettbewerb von Radio Berlin 88,8 und dem Landessportbund gegen 15 Konkurrenten durch und kassiert ein Preisgeld von 10 000 Euro.

Geld bekommen Reinickendorfer zurück, die im Rahmen des wieder abgeschafften Straßenausbaubeitragsgesetzes zur Kasse gebeten wurden. Der Bezirk zahlt insgesamt 185 000 Euro zurück.

Die Zunahme von Asylbewerbern in der Stadt bekommt auch der Bezirk zu spüren. Seit dem 19. Oktober ist die ehemalige Schule Am Erpelgrund Notunterkunft für 72 Menschen.

November: Das Flüchtlingsthema beherrscht den Bezirk weiter. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales kündigt an, in der Waldstraße 84-90 eine dauerhafte Flüchtlingsunterkunft einzurichten.

Die Flughafengesellschaft Berlin verkündet für die ersten zehn Monate des Jahres mehr als 15 Millionen Passagiere in Tegel. Anwohner des Flughafens in Reinickendorf, aber auch in Spandau beschweren sich dagegen über zunehmenden Fluglärm auch in der Nacht. Einzelne Betroffene klagen auf Lärmschutz und hoffen dabei zumindest auf finanzielle Entschädigung.

Dezember: Eine Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht für Reinickendorf das geringste Bevölkerungswachstum in Berlin vor. Danach wird die Reinickendorfer Bevölkerung bis 2030 nur um 1,9 Prozent auf 248 000 Einwohner an wachsen.

Neues gibt es aus dem Bezirksamt: Als letzter Berliner Bezirk hat Reinickendorf jetzt auch einen Integrationsbeauftragten. Er heißt Oliver Rabitsch.


Christian Schindler / CS
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