Gedenktafel für Architekten der Weißen Stadt

Die Überbauung der Aroser Allee ist ein besonders auffälliger Teil der Weißen Stadt. (Foto: Christian Schindler)

Reinickendorf. Noch bis Ende November dieses Jahres erinnert an der Aroser Allee/Ecke Emmentaler Straße eine Gedenktafel an den Architekten Bruno Ahrends.

Die Gedenktafel gehört zu dem Projekt "Vergessene Jüdische Architekten" im Rahmen des Berliner Themenjahres "Zerstörte Vielfalt Berlin 1933 - 1938 -1945". Mit dem Projekt erinnert die Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten an 26 Stellen in ganz Berlin an herausragende Gebäude von Menschen, die ab 1933 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Bruno Ahrends war 1929 bis 1931 an der Planung der Weißen Stadt in Reinickendorf beteiligt. Das Gebiet rund um die Aroser Allee ist nicht nur eine der markantesten Großsiedlungen in Berlin, es gehört seit 2008 auch zum Unesco-Weltkulturerbe. Die Architekten versuchten damals, gut belichtete Wohnungen für möglichst viele Menschen in einer grünen Umgebung zu schaffen.

Über Bruno Ahrends ist nur wenig bekannt. Als Sohn des Berliner Bankiers Barthold Arons (1850-1933) und dessen Frau Bertha (1855-1932) wuchs der 1878-Geborene in wohlhabenden Verhältnissen in der elterlichen Villa Arons in der Colonie Alsen am Wannsee auf. Er wollte ursprünglich Schiffbau studieren, doch Juden waren an der Kaiserlichen Werft in Kiel nicht zugelassen. Schließlich studierte er an den Technischen Hochschulen München und Charlottenburg Architektur.

Er schuf eines der wichtigsten Einzelhäuser Berlins. 1911 errichtete er für sich und seine Familie ein Haus in der Dahlemer Miquelstraße. Das Haus wurde 1999 bis 2004 vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD) als Wohnsitz genutzt. Eigentlicher Hausherr war damals Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD), der jedoch lieber weiter privat im Prenzlauer Berg blieb.

1904 änderte Bruno Arons seinen Namen in Ahrends, wohl im Zusammenhang damit, dass er und seine Geschwister zum Christentum konvertierten. Im selben Jahr heiratete er Johanna Springer, die Enkelin des Verlegers Julius Springer. 1935 erhielt er aufgrund seiner jüdischen Herkunft Berufsverbot. Vor den Nationalsozialisten flüchtete er 1936 nach Italien. Drei Jahre später ging er nach England, wo sich seine Tochter aufhielt. Hier wurde er interniert, weil er im Ersten Weltkrieg als deutscher Soldat gegen Großbritannien gekämpft hatte. 1948 emigrierte er nach Kapstadt/Südafrika, wo er nach seiner Ankunft starb.


Christian Schindler / CS
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.